Koffer packen

Ich packe ja gerne. Schon als Kind konnte ich mir die Dämmerstunde zwischen Gute-Nacht-sagen und einschlafen gut damit vertreiben, zu überlegen was ich einpacken würde, wenn ich jetzt weggehen müsste. Für mich war das ein Spiel, das nichts mit realen Fluchtgedanken oder Angst zu tun hatte. Es war viel eher die Frage: Was ist mir wichtig? Und was brauche ich? Klar, dass das Taschenmesser und mein Kuschelbär immer mit dabei waren. 😉

Interessanterweise habe ich mich schon mit einigen Menschen darüber unterhalten und viele kennen diese Gedanken! Das hat mich ziemlich überrascht und in Anbetracht der Tatsache, wie viele Leute heute wirklich ihren Haushalt auflösen um nur mit Teddybär und Taschenmesser um die Welt zu reisen, frage ich mich manchmal, ob wir nicht doch alle noch Nomaden sind, die eigentlich gern nur so viele Dinge haben, wie sie tragen können…

Wie auch immer. Die Überlegung “ Was packe ich ein?“ ist bei mir immer eine der ersten, wenn ich eine Reise plane.

Andere legen die Landkarte auf den Tisch, ich schreibe eine Packliste.

Deshalb war auch die Packliste für Rom relativ früh fertig. Und weil nichts auffälliges drauf stand, habe ich sie mir erst am Wochenende wieder angeguckt. Oft denke ich, dass man ja doch immer nur das gleiche braucht. Ob man für eine Woche fährt oder für einen Monat macht eigentlich keinen Unterschied, waschen muss man eh.  Und meine Rubriken „Klamotten“ „Unterwegs“ „Papiere“ und „Freizeit“ bleiben auch immer die gleichen. Im Zweifel werden noch Mütze und Sonnenbrille gegeneinander ausgetauscht, die Sandalen kommen auf die Liste und die Winterschuhe runter, aber das war’s dann auch eigentlich.

Für drei Monate war ich dann aber doch ein bisschen skeptisch. So lange war ich nämlich noch nie unterwegs. Und auch wenn ich mich, wie schon beschrieben,  auf das Neue und den Prozess des Ankommens freue, hab ich doch auch ein bisschen Angst davor, mich dem Neuen so ganz ohne irgendwas vertrautes auszusetzen. Wenn alles um mich herum neu ist, wo kann ich mich dann zu Hause fühlen? Und so entstand eine weitere Kategorie auf meiner Packliste: „Zu Hause fühlen“.

Was muss ich mitnehmen, um mich auch in einem anderen Zimmer zu Hause zu fühlen?

Bevor ich darauf näher eingehe, noch eine weitere Geschichte von früher: Wir sind im Urlaub oft in Ferienhäusern gewesen, 3 Wochen irgendwo in Skandinavien. Anderes Haus, andere Umgebung, andere Möbel. Manchmal anderes Essen, meist eine andere Sprache. Ähnlich wie ich mir vorher immer vorgestellt hatte, alles einzupacken, habe ich mir im Urlaub oft überlegt, wie es wäre einfach hier zu bleiben. Nur mit diesen Dingen, aber eben auch in diesem Zimmer, mit diesen Möbeln. Und eigentlich war das immer eine gute Vorstellung.

Der Übergang war das Komplizierte, die Reise, das Ankommen. Im Ferienhaus selbst hab ich mich dann oft schnell zu Hause gefühlt. Natürlich war ich mit meiner Familie da, das soziale Umfeld war also stabil. Und einige wichtige Dinge hatte ich natürlich auch dabei. Und das waren für mich auch tatsächlich die wichtigsten Faktoren. Noch heute reise ich nicht unbedingt gerne allein.

In Rom werde ich aber auf mich gestellt sein. Und neue Menschen kennen zu lernen ist schön, aber auch immer ein bisschen anstrengend. Deshalb werden folgende Dinge auf meiner Packliste in der Kategorie „Zu Hause fühlen“ stehen:

 

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Diese Wolldecke, ist meine alte Babydecke, die meine Mutter mir letztens wieder geschenkt hat. Ein total tolles Geschenk, wie ich finde! Denn die Decke ist super warm und schön bunt, so dass sie ein steriles Wohnheimszimmer bestimmt schnell aufpeppt. Und Abends kann man sich drunter kuscheln, ne Tasse Tee trinken und lesen, oder Serien gucken – und zu Hause fühlen.

 

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Die Bluetooth Box ist eigentlich nur praktisch gedacht. Musik ist manchmal einfach schöner, wenn sie laut ist und den Raum erfüllt. Die Musik ist auf dem Handy und die Box ist klein. Und Musik reicht mir, anders als Bücher, auch einfach virtuell. Und ja, ich habe auch gerne Pflanzen um mich herum, um mich zu Hause zu fühlen. Aber da wird es wohl auch ein Basilikum tun. Oder ich klau mir ein bisschen Oleander vom Staßenbegleitgrün 😉

 

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Am liebsten würde ich noch meine Teetasse mitnehmen, aber das ist dann vermutlich doch ein bisschen zu riskant. Und einen Stapel Bücher! Aber das ist mir einfach zu schwer. Ich habe überlegt mir einen eBook Reader zu zulegen, aber tatsächlich geht es mir gar nicht so sehr ums lesen. Für längere Reisen, bei denen man den Ort oft wechselt, finde ich eBook Reader richtig toll. Aber wenn ich mich irgendwo zu Hause fühlen will, dann geht es mir darum, die Bücher anzugucken und in die Hand zu nehmen. Mal sehen, so ein zwei kommen vielleicht trotzdem mit 😉

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Die Mondpostkarte und der Bär (der nach dem Einstieg oben vermutlich niemanden überrascht) kommen aber auf jeden Fall mit! Beides  gehört für mich zum einschlafen, auch ein wichtiger Teil beim „Zu Hause fühlen,“ wie ich finde. Denn wenn man sich an einem Ort nicht nur wohlfühlt, sondern auch zu Hause, kann man einfach besser schlafen und wacht beruhigter auf. Das Bild auf der Postkarte ist übrigens von Quint Buchholz und hängt im Moment neben meinem Bett und ich sehe es immer beim Licht aus machen. Ich habe auch überlegt noch andere Postkarten mitzunehmen, aber es gibt im Moment keine, die mir so viel bedeutet und an der Stelle möchte ich dann gerne anderen Dingen die Chance geben, mein Leben zu bereichern.

Denn ganz bestimmt wird mir in Rom das eine oder andere begegnen, Postkarten, Poster, Eintrittskarten. Ich freue mich auf diese Dinge, denn sie werden mit neuen Geschichten und Erinnerungen verknüpft sein und deshalb auch dazu führen, dass ich mich in meinem neuen Zimmer zu Hause fühlen werde.

Wie sieht’s bei Euch aus? Packt Ihr gerne oder ist das eher lästig? Kennt ihr vielleicht auch diese Gedankenspiele vom „Alles wichtige Einpacken?“ Und was braucht ihr, um euch zu Hause zu fühlen?

2 Kommentare zu „Koffer packen

  1. Hallo Lele, wenn ich ans Packen denke fallen mir zwei Dinge ein.
    1. was würde ich mitnehmen, wenn ich wüßte, dass ich vielleicht nicht wieder zurück kommen kann. Ich gebe zu, ein schwermütiger Gedanke. Aber dieser Gedanke begleitet mich schon mein ganzes Leben. Vielleicht hat das was mit meine Nachkriegskindheit zu tun….und
    2. ich mache selten eine Packliste bevor ich in Urlaub fahre, weil ich meistens auf den letzten Drücker packe. Das finde ich manchmal so nervig, dass ich dann zum Pachken keine Lust habe und mich frage ob es evtl. stressfreier wär Zuhause zu bleiben.

    Ich finde, du machst das ganz gut und du hast jemand Wichtiges und richtig Nettes dabei. Dich selbst!

    Erstmal alles Gute und bis bald mal,
    Annette

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    1. Hallo Annette,

      Ja, der erste Gedanke ist wirklich etwas bedrückend, aber umso wichtiger, dass du ihn ansprichst! Ich habe beim Schreiben auch daran gedacht, schließlich müssen heute wieder zu viele Menschen ihre Sachen packen um Ihr zu Hause für immer zu verlassen. Da finde ich es auch sehr einfülsam sich darüber Gedanken zu machen, auch wenn es nicht leicht ist und auch, wenn man für sich zum Glück zu keiner Entscheidung kommen muss.

      Und hat spontanes packen nicht auch seinen Reiz? Oft genug ist es doch auch wunderbar sich einfach in eine Reise hineinfallen zu lassen und zu sehen was kommt!
      Vielleicht ist diese Unbeschwertheit auch eine Art Luxus unserer Welt des „alles immer“? In jedem Fall braucht es eine Portion Gelssenheit dafür, das stimmt. Ich hoffe die Reise hat den Packstress letztendlich doch immer wieder ausgeglichen?

      Danke für deine Gedanken!

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