Ankommen in der Hauptstadt der Welt

„Endlich kann ich den Mund auftun und meine Freunde mit Frohsinn begrüßen. Verziehen sei mir, dass Geheimnis und die gleichsam unterirdische Reise bis hierher. Kaum wagte ich mir selbst zu sagen, wohin ich ging, selbst unterwegs fürchtete ich noch, und nur unter der Porta del Popolo war ich mir gewiss, Rom zu haben. […] Ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt anglangt!“

J.W. Goethe: „Italienische Reise“, München 1981, S. 125. Erste Ausgabe: 1786.

So schreibt Goethe seinen Freunden, seiner Geliebten und seinem Chef, dem Herzog Carl August von Weimar, als er nach Wochen langer Reise endlich in Rom ankommt. Nach Italien zu reisen ist für ihn ein lang gehegter Traum und als er ihn in den Jahren 1786-1788 endlich verwirklichen kann, wirkt die Reise wie ein Befreiungsschlag, privat wie beruflich.

In Rom findet er eine neue Freiheit, er lebt inkognito in einer Künstler WG direkt an der Via del Corso nahe der Piazza del Popolo und findet neue Schaffenskraft: Iphigenie, Tasso und  Egmont schreibt er unterwegs zu Ende, wichtige Szenen aus Faust entstehen hier.

Aber dazu vielleicht später einmal mehr, denn…

… auch ich bin in inzwischen in Rom angekommen 😉 und mache nun drei Monate in der Casa di Goethe, dem Museum, das sich heute in den Räumen der besagten Künstler WG befindet. Mit einem Zwischenstopp in Bozen (Bergtour und Ötzi besuchen) und einer Fahrt mit dem Nachtzug bin ich nun schon seit fast einer Woche hier.

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Die Porta del Popolo. Durch dieses nördliche Stadttor betrat Goethe zum ersten Mal Rom. Und ich laufe jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit dort durch.

Seitdem komme ich an. Jeden Tag ein bisschen mehr. Immer wieder fallen mir diese flüchtigen Momente auf, an denen ich den einen Schritt weitergehe, innerlich wie äußerlich, um dann mehr hier zu sein als dort, mich neu zu verortet und neues ausprobiert. In den ersten Tagen bin ich wirklich grinsend durch die Straßen gelaufen und hab mich einfach nur gefreut hier zu sein und am Anfang einer tollen Zeit zu stehen. Inzwischen sind manche alltäglichen Wege schon ganz normal.

Seit einer Weile schreibe ich nun auch schon an diesem Blogartikel, aber die vielen neuen Eindrücke, Personen, Plätze und Erfahrungen haben es mir wirklich schwer gemacht einen roten Faden zu finden. Und irgendwann habe ich beschlossen, genau das zum Thema zu machen. Dieser Artikel wird deshalb eine chaotische Sammlung an Eindrücken, Bildern und besonderen Momenten. 🙂

 

Ankommen

Morgens um 7.00 Uhr am Bahnhof Roma Termini. Zum Frühstück gibt’s einen Cappuccino und den Sonnenaufgang.

 

Die Bilanz des ersten Tages:

  • Ich weiß wo ich wohne
  • Ich kenne 2 meiner neuen Mitbewohner (beide nett)
  • Ich kenne den Park in der Nachbarschaft (riesig groß und echt schön)
  • Ich habe den nächsten Supermarkt gefunden und war fast plastikfrei einkaufen 😉
  • Ich habe einen Ohrwurm von den italienischen Martinshörnern. Gibt es hier wirklich so viele Notfälle?
  • An den Verkehr muss ich mich noch gewöhnen. Als Fußgänger hat man scheinbar wenig Rechte.

 

Es riecht nach Frühling! Und Süden!

 

Kaffee…

… natürlich an der Bar! Und morgens?

Der erste Morgen beschert mir auch die erste Bekanntschaft mit der Espresso Kanne. Gar nicht so übel. Seit dem mein „Aufwacherlebnis“: Das Köcheln in der Kanne, der Duft in der Küche…. Mhmmm 🙂

 

Raus in die Stadt!

Stadtschlendern – und über historisches stolpern: Spanische Treppe, Via del Corso, Piazza del Popolo, Pantheon. Wahnsinn, wie selbstverständlich hier alles nebeneinander steht: Antike, Renaissance, Barock… Griechische Säulen stehen einfach in einer Reihe mit normalen Häuserfronten, man tritt auf eine Piazza und steht plötzlich vor dem Pantheon, biegt um eine Ecke und läuft auf das Kolosseum zu.

… Überlege eine neue Jacke zu kaufen. Komme mir in meiner praktischen Regenjacke neben den ganzen modebewussten ItalienerInnen ein bisschen fehl am Platz vor… Aber als es zwei Tage lang dauerregnet bin ich doch froh über die Jacke 😉

 

Erster Arbeitstag!

Beglückender Moment: Mit der Monatskarte in die Metro. „Ich bleib jetzt erst mal hier!“

Und: Hilfe mein Computer spricht nur Italienisch! Gelernte Vokabeln:

  • nuova Cartella – neuer Ordner
  • Rinomina – Umbenennen
  • stampa – drucken
  • Aire – öffnen

 

Può parlare lentamente per favore? (Können Sie bitte langsamer sprechen?)

Erfolgserlebnis 1: Eine Monatskarte für die Metro auf  Italienisch gekauft!

Erfolgserlebnis 2: Einen Kaffee und ein Panino auf Italienisch bestellt!

Total nett: Mein Kollege übt mit mir im Rollenspiel, was ich sagen soll wenn ich an der Kasse die Besucher bediene 🙂

… und irgendwann denke ich plötzlich „perfetto“ anstatt „super“ 😀

 

Einkaufsgeschichten

  1. Tag: Hurra! Auch in Italien bekommt man das Übliche im Glas und Gemüse und Brot unverpackt. Aber wo sind den bloß die Haferflocken?
  2. Tag: Das Brot ist trocken. Neues kaufen.
  3. Tag: Das Brot ist trocken. Neues kaufen.
  4. Tag: Hurra! Meine Vorgängerin schenkt mir Haferflocken!
  5. Tag: Haferflocken sind leer. Aber meine Mitbewohner haben mir einen Laden verraten in dem es Haferflocken geben soll… Nach einer Stunde suchen kapituliere kaufe ich und kaufe Brot.
  6. Tag: Das Brot ist trocken. Neues kaufen.
  7. Tag: Ich geb’s auf. Jetzt wird gebacken! Hefe heißt il lievito. Mehl ist la farina. Mir schwebt ein Roggen-Weizen-Mischbrot vor! Nach 20 Minuten Suchen packe ich Trockenhefe ein und stehe dann ratlos vor dem Regal mit dem Mehl. Es gibt Weizenmehl. Und Vollkornweizenmel. Und Weizenmehl für Nudeln. Und Weizenmehl für Brot. Weizenmehl Typ 0 und Weizemehl Typ 00. Und Dinkelmehl.

Zu Hause stelle ich fest, dass ich vanillisiertes Backpulver gekauft habe…. Und Hartweizengries…

 

Soo… Das war’s erstmal. 🙂 Die ersten Tage sind ja immer etwas chaotisch, aber inzwischen kann ich wirklich guten Gewissens sagen, dass ich gut angekommen bin! Mit den Leuten in meiner WG komme ich super klar, mit den Kollegen auch, gerade bereite ich mich auf die erste Führung vor! Ich freue mich auf die kommenden Monate und habe schon wieder jede Menge neuer Gedanken und Pläne… 🙂

 

4 Kommentare zu „Ankommen in der Hauptstadt der Welt

  1. War im Herbst in mit Familie in Rom. Wir haben 10 Tage im Trastevere gewohnt und Rom entdeckt. Abends immer Musik vor dem Fenster. Das Pantheon war auch auf einmal hinter einer Ecke da. Auch der Trevi-Brunnen. Viel Spaß!

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  2. Danke für den lebendigen, sehr interessanten Bericht mit den schönen Bildern!
    Du arbeitest in der ehemaligen Künstler-WG! Wie ist die Atmosphäre dort? Noch ein Hauch von damals?
    Viel Spaß beim Brotbacken mit oder ohne Vanille. Zum Trost: Altes Brot ist gut für die Zähne!!!

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