Ciao Roma!

Das wars. Drei Monate Rom sind rum. Am Anfang habe ich mich fremd gefühlt, bin dann immer mehr angekommen. Habe die Unterschiede wahrgenommen, hingehört und hineingefühlt. Rom hat sich verändert, von einer Schnee– wolkenverhangenen historischen Großstadt in ein Dorf mit Charme und frühlingshaften Temperaturen. Ich hatte hier so viele gute Erlebnisse und so viele bereichernde Erfahrungen! Es gibt einiges, was ich vermissen werden…

condividere – miteinander teilen

Eigentlich wird condividere direkt mit „teilen“ übersetzt, aber eben nicht das Teilen in Stücke, sondern das Teilen eines Momentes oder einer Meinung. Ich finde es verrückt, dass wir im Deutschen dafür das gleiche Wort benutzen! Italiener sind Gemeinschaftsmenschen, redselig, offen, herzlich. Auf der Piazza, in der Bar beim Caffè trinken, auf dem Markt – überall entsteht ganz selbstverständlich eine Atmosphäre des condividere. Man kann selbstverständlich und ohne besondere Verpflichtungen einfach kurz zusammen sein, ein bisschen reden, ein bisschen lachen. „Eine Pause von allem“, sagt mein Kollege Gabriele. Irgendwann saß ich mit drei Freundinnen in einem Fischrestaurant etwas abseits der Touristenströme. Das Lokal ist brechend voll, aber der Kellner nimmt sich die Zeit, uns zu fragen wo wir herkommen? Ah NRW! Ja, sein Bruder hat eine Deutsche geheiratet, wohnt jetzt in Köln… Und schon zeigt er uns Hochzeitsbilder auf seinem Handy. 🙂

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Blick vom Pincio / Villa Borghese auf die Piazza del Popolo.

Auch in unserer WG hatten wir ein gutes condividere und ich kann nur noch eimal wiederholen, wie gut es mir getan hat, wieder in einer großen WG zu wohnen. Rom hat mir viele besondere Menschen geschenkt, mit denen ich gut reden konnte. Verschiedene Persönlichkeiten, Schicksale und Interessen um mich zu haben, fand ich sehr bereichernd und es war toll mal wieder in so viele verschiedene Fragen einsteigen zu können: Wie schafft es die evangelische Kirche trotz ihrer Diversität Gemeinschaft zu leben? Hat moderne Architektur noch eine Aussage? Wie ist die Struktur einer Stadt mit Identität verbunden? Gehört die Zukunft der Mobilität oder dem Settlement? Welche Werte habe ich und wie sehe ich sie in einer Gesellschaft der Zukunft vertreten? Hat das Original noch einen Wert, wenn 3D Brillen im Museum auftauchen? Und gibt es eine Schönheit des Unperfekten? Grazie a tutti – für viele spannende Gespräche und ein Stück Gemeinschaft!

Kaffee trinken! Endlich gelernt

IMG_20180426_090910454Und dann ist da noch Andrea, „mein“ Barista. Der wenig behaarte Kopf macht sein Lächeln nur noch breiter und lässt seine Augen noch mehr funkeln, wenn er mit einem „Un Cappucchino per la ragazza“ den Kaffee an seinen Kollegen weiterreicht, der die Tasse neben mein Cornetto stellt. Meist ist der Capuccino mit zusätzlicher Schokosoße und gehackten Nüssen oder Pistazien verziert und wenn er Zeit hat, kommt Andrea kurz vorbei, fragt wie es mir geht, wo ich herkomme, was ich mache, und ob ich die römische Küche mag. (Naturalmente!) Gabriele, mein Kollege sagt: „So muss die Beziehung zu einem Barista sein: Er weiß was du magst.“ Und Dorina, meine Mitbewohnerin bemerkt: „Wenn sich ein Barista einmal für dich entschieden hat, dann kommst du aus der Sache nicht mehr raus“ 🙂 Grazie Andrea!

 

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Unsere Metromadonna. Hier brennt immer ein Licht und reglmäßig wird gekehrt oder die Blumen ausgewechselt.

Römisch. Katholisch. Feierwütig.

Der letzte Monat war in vielerlei Hinsicht noch einmal besonders. Ich kannte mich inzwischen aus, war von den alltäglichen Unterschieden und den Busverbindungen nicht mehr so überfordert und durch verschiedene Zufälle habe ich noch einige nette neue Leute kennen gelernt. Mit einer der besten Abende begann mit einer gigantisch schlechten Videoübertragung des AS Roma vs. Liverpool Spiel und endete damit, dass uns eine Gruppe Pristerseminaristen auf ihre Dachterasse (9. Stock!) einluden und wir in ihrer Bierstube zu Pink Floyd und Bon Jovi tanzten. Irgendwo zwischendurch war ziemlich viel Tequila im Spiel und ich erinnere mich noch daran, dass einer der angehenden Priester mich durch die Bar trug… Grazie! Für meinen vielleicht römischsten Abend und das Dolce Vita! 

 

 

cucina romana – deftig, herzlich, herrlich

Ein Abschiedsartikel aus Rom und nichts übers Essen? Das geht auf gar keinen Fall! Ich liebe die deftige römische Küche, die aus den simpelsten Zutaten die köstlichsten Dinge zaubert. Wie ich in Zukunft ohne Pecorino, Pomodori und Pasta auskomme ist mir auch noch etwas schleierhaft.  Parmesan mit Oliven und getrockneten Tomaten und Brot war eine Weile mein Lieblingsabendessen! Wie ich das Essen in Rom finde ist auch eine der typischen Fragen, die mir hier immer wieder gestellt werden: Beim Friseur, auf der Straße, in der Bar, von Kollegen… Eine römische Erfahrung der besonderen Art war die Pizza bei Peppe, einer familiären Pizzeria bei uns in der Nachbarschaft. Wagenradgroß wird die Pizza hier mit der Schere geschnitten. Den Wein dazu gibts in Plastikbechern und das ganze findet in einer umgebauten Garage statt, mit Plastiktischen und Holzbänken. (Jaja, ich weiß! In Italien niemals Wein zur Pizza bestellen, sondern immer Bier. Aber als Tourist ist das okay ;))  In den letzten Monaten habe ich nicht nur Käse und Eier sondern auch Fleisch gegessen. Und das obwohl ich dieses Jahr mein zehnjähriges Vegetariererdasein feiern sollte. In Deutschland zurück wird das auch bestimmt wieder anders. Aber erstmal hab ich ein paar Rezepte im Gepäck, die zur Perfektion gebracht werden wollen.

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A posto? – Alles gut?

Natürlich nicht. Es gibt durchaus auch Dinge, die mich gestört haben oder die mich stören würden, wenn ich länger bleiben würde. Der Smog, der mich inzwischen oft zum husten bringt. Die Diskussionen an der Kasse, wenn ich die Kartoffeln in meinen Stoffbeuteln aufs Band lege anstatt die hippen Bioplastiktüten zu benutzen für die ich zwangsweise 2 Cent pro Stück bezahlen muss. (Non sono italiana! Non lo so! – Ich bin nicht aus Italien! Ich weiß das nicht! :P) Der italienische Fatalismus, de

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Müllcontainer in unserer Nachbarschaft

r viele Italiener  dazu bringt sich gerne und oft über Italien aufzuregen (Das Lieblingsthema meines Kollegen Mimmo: Spazzatura! Müll!), aber nie darüber nachzudenken wie und was man ändern könnte.

 

 

 

Und trozdem: Eine Münze in den Trevi-Brunnen werfen…

… damit Poseidon dafür sorgt, das ich wieder komme. Rom hat mir nicht zuletzt auch Zeit mit mir selbst geschenkt. Und ohne das hier und jetzt vertiefen zu wollen: Rom kommt in der Liste meiner Lieblingsorte, ja vielleicht sogar Sehnsuchtsorte direkt nach Amrum (und wer mich kennt weiß was das heißt). Und deshalb: Ciao, Grazie Roma!

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Fontana di Trevi bei Nacht. Ausgeblendet: Der Wald von Selfiesticks….

 

2 Kommentare zu „Ciao Roma!

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