Münsterstraße rauf und runter

Ich liebe die Münsterstraße. Kopfsteinpflaster, Bäume an den Seiten, nette Geschäfte, gute Lokale und viele Menschen auf der Straße. Lebendig. Besonders. Erlebnisreich. Kinder spielen Fußball auf dem Platz vor der Kirche. Abends sitzen die Alten hier in der Sonne.

Falls du aus Dortmund kommst, weißt du vermutlich was ich meine. Wenn du nicht aus Dortmund kommst, dann hab ich dir vielleicht ein Bild in den Kopf gezaubert, dass dich an die verträumte Idylle einer Kleinstadt denken lässt. Wie passt das zu Dortmund?

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Okay, ich gebs zu, ich hab nicht die ganze Wahrheit gesagt. Ich hab nichts von den Obdachlosen erzählt, die auf dem Platz vor der Kirche ihr Bier trinken, habe nicht erwähnt, dass die meisten der Geschäfte ein türkisch-arabisches Flair haben. Und das Gaffity die Hauseingänge verziert.

Und zack! bekommt die Idylle einen Riss. Tja. Nobody is perfect würde ich sagen. Die Münsterstraße bleibt trotzdem ein besonderer Ort, denn das Idyll der Kleinstadt, diese fast schon dörfliche Atmosphäre gibt es ja trotzdem. Und sie wird nicht weniger wert, weil es dreckig und eben manchmal ein bisschen anders ist als in einem Dorf.

 

Eine Straße mit Geschichte

Die Geschichte der Münsterstraße beginnt im 19. Jahrhundert. Durch Industrie und Bergbau wächst die Stadt. Die mittelalterliche Stadtmauer wird niedergelegt, später der Wall, die Dortmunder Ringstraße, dort gebaut. Um Platz für Arbeiterwohnungen zu schaffen wird die Stadt nach Norden erweitert. Eine der ersten Straßen ist die Münsterstraße. Die Nordstadt bleibt lange Zeit Arbeiterviertel. Auch als die sogenannten Gastarbeiter in den 60er Jahren kommen. In Dortmund sind es viele Türken. Und sie bleiben. In Dortmund, in der Nordstadt und auf der Münsterstraße.

Eine fremde Welt?

Als ich in die Nordstadt gezogen bin, habe ich zuerst nicht viel davon gesehen. Auf der Münsterstraße war ich fast nie. Mein türkischer Bäcker gegenüber reichte mir, zur nächsten U-Bahn und zum Bus waren es nur drei Minuten. Über die Münsterstraße zu laufen wäre ein ziemlicher Umweg gewesen. Es gab einfach keinen Grund hier her zu kommen.

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Irgendwann gewöhnte ich mich, an die spezielle Atmosphäre in der Nordstadt. An die Roma Kinder, die auf der Straße spielen. An die Frauen in bunten Röcken, die vor den Häusern sitzen. An den vielen Verkehr auf den Hauptstraßen und die arabischen Gemüseläden, an die Graffitys und die Drogendealer auf der U-Bahn Treppe. Das alles gehörte halt irgendwie dazu. Störte mich nicht weiter, aber wenn die Wohnungstür hinter mir zufiel erinnerte nur noch die Tüte warmer Sesamkringel in meiner Hand an die Welt draußen.

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Ein Lieblingsort

Als ich dann drei Monate in Rom war, lernte ich das Leben in südlicheren Ländern, mit wärmerem Klima und einer expressiveren Kultur besser kennen. Ich konnte erleben wie es ist, auf einer italienischen Piazza zu sitzen und welche Bedeutung ein Cafè haben kann. Als ich dann wieder zurück kam, konnte ich mit diesem Erlebten auf die Nordstadt gucken und plötzlich sah alles anders aus. Ich freute mich über die vielen kleinen Cafès und Läden, über die Menschen, die auf der Straße sitzen und über die lebendige Atmosphäre auf der Münsterstraße. Sie wurde zu einem meiner Lieblingsorte in Dortmund. Wenn ich vom Wall kommend in die Münsterstraße abbiege, das Kopfsteinpflaster unter meinem Fahrradreifen holpert und ich rechts an dem veganen Dönerladen vorbei fahre und links der türkische Sofaladen in Plüsch und Rüschen versinkt, dann fühle ich mich angekommen. Hier beginnt mein Dortmund. Hier gehöre ich hin.

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Vor der Kirche spielen Kinder Fußball. Eine Gruppe Obdachloser sitzt auf der Bank und diskutiert etwas mit großen Gesten. Auf den Stühlen vor meiner Lieblingseisdiele sitzen die Leute in der Sonne. Unter den Bäumen auf dem Bürgersteig sind immer Menschen unterwegs. Vielleicht geh ich heute Abend mal wieder syrisch Essen? Mein neues Fahrradschloss hab ich natürlich hier im Fahrradladen gekauft und wer ein gutes Programmkino sucht, kommt in die Münsterstraße. Shisha Bar und türkischer Hochzeitsaustatter neben Lidl und Sparkasse. Die Münsterstraße bleibt lebendig. Und wer noch nicht hier war, sollte definitiv mal vorbei kommen!

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5 Kommentare zu „Münsterstraße rauf und runter

  1. eine Liebeserklärung an die Nordstadt – wie schön und ich freue mich, hier noch eine andere bloggende Dortmunderin zu finden, danke für deinen Besuch, um dich hier zu entdecken 🙂 Liebe Grüße aus der Nachbarschaft, Annette

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