Wer ist eigentlich „man“?

„Aber das kann man doch nicht machen!“, „Das macht man halt so!“, „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…“

Ach ja? Macht man das so? Wer ist eigentlich „man“? Scheint ja ein ziemliches Genie in Sachen Alltagslogik zu sein. Man weiß immer weiß was richtig und falsch ist. Man kann sagen, was angebracht ist oder nicht, was wann gesagt, getan oder gelassen werden soll. Man würd sich ja gerne mal treffen, mit man.

man sollte mal darüber nachdenken…

Wen das jetzt zum schmunzeln gebracht hat, der weiß vielleicht wovon ich rede. „Man“ taucht irgendwie immer auf, wenn etwas hinterfragt wird. Und ganz besonders oft, wenn es um Themen geht, über die vermeintlich ein gesellschaftlicher Konsens besteht. „Man“ weiß dann immer Rat. Und nimmt für sich in Anspruch richtig zu liegen.

Puh, das ist gar nicht so einfach zu denken. Irgendwie muss man da ein paar Gehirnwindungen extra aufbringen. Aber das Thema interessierte mich: Wer ist eigentlich gemeint, wenn man von „man“ spricht?

Der Begriff

Schauen wir doch einfach mal im Duden nach, dem allgemein anerkannten Alleswisser der deutschen Sprache. (Kann man auch hinterfragen. Tun wir jetzt aber mal nicht.) Der Duden erklärt, „man“ sei ein Adverb und kann verschiedentlich genutzt werden. Ich werde die hier jetzt nicht alle aufschlüsseln, die kann man ja selbst nachlesen. Zusammenfassend läuft es darauf hinaus, dass „man“ stellvertretend für so ziemlich jeden stehen kann (ich, du, er sie es, wir, ihr sie, jemand, eine Gruppe, die Öffentlichkeit, die Leute, …) und dass damit oft eine Verbindung zu gesellschaftlichen Normen und Gepflogenheiten gergestellt wird. Besonders interessiert mich der 4. Punkt: „Man“ wird genutzt „Wenn der Sprecher, die Sprecherin in der Allgemeinheit aufgeht oder aufgehen möchte.“

Die Situation

Genau das passiert eben häufig. In dem kurzen Satz „Das macht man eben so.“ Verbirgt sich der Hinweis auf gesellschaftliche Normen und Regeln, die für allgemeingültig erklärt oder zumindest vom Sprecher als allgemeingültig angenommen werden. Gleichzeitig nimmt der Sprecher häufig in Anspruch dieser Allgemeinheit anzugehören und für sie zu sprechen. Überspitzt könnte man sagen: Wer „man“ sagt, macht sich und seine Meinung zum gesellschaftlichen Standart.

Eigentlich find ich das auch gar nicht schlimm. Und irgentwie machen wir das doch alle, oder? Oft wirkt das „man“ auch wie ein Rettungsanker. „Ja ich weiß jetzt auch nicht weiter, das macht man halt so.“ Unter Berufung auf die Gesellschaft, eine Öffentlichkeit oder die Allgemeinheit wird die eigene Meinung unwichtig. Wenn alle das so machen, warum soll ich dann wissen warum ich das so mache.

Das Problem ist nur, dass „man“ häufig genutzt wird um eine Masse herauf zu beschwören, die es vielleicht gar nicht gibt. „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ Ja. Es ist erlaubt, ziemlich viel zu sagen. Eine Meinung zu haben und sie zu vertreten. Aber jeder sollte mit einer Gegenmeinung rechnen.

Und hier wird es dann ein bisschen kompliziert. „Das kann man doch nicht machen!“ baut eine Grenze. Auf der einen Seite eine einzelne Person oder Gruppe mit moralisch- gesellschaftlichem Fehlverhalten. Auf der anderen Seite: Auch eine einzelne Person oder Gruppe, die aber in Anspruch nimmt die Allgemeinheit im Rücken zu haben.

Gleichzeitig ist die gedachte gesellschaftliche Allgemeinheit in „man“ ziemlich diffus. Wenn ich oben geschrieben habe: „Das kann man ja nachlesen“ ignoriert diese Allgemeinheit, das manche Menschen eben nicht lesen können. „Man“ führt damit zu einer seltsamen Gleichmacherei, die auf unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten keine Rücksicht nimmt.

ich und man

Ich möchte nicht, dass man mich unter eine unreflektierte Öffentlichkeit subsumiert. Denn vielleicht bin ich anderer Meinung. Ich möchte, dass Menschen offen sind und die Meinung anderer respektieren. Und dass „man“ mir hilft, einem Gespräch mehr Diplomatie zu verleihen. Denn man könnte es ja auch anders machen…

Und wenn Ihr jetzt denkt, die übertreibt ja total, so ne Wortverdrehung, dann schreibt mir die Meinung! 😀

6 Kommentare zu „Wer ist eigentlich „man“?

  1. Man, ich lese Deine Blogeinträge echt gerne! 😉
    Sie regen immer zum weiterdenken an. Aber, wie Du weißt ist schreiben von Gedanken nicht so meine Welt.
    Aber trotzdem und umsomehr, Danke für Deine Gedanken!
    Gruß
    Gernot

    Gefällt 1 Person

    1. Oh ja, das stimmt! Danke für diesen Aspekt.
      Übrigens sage ich, seit ich diesen Artikel geschrieben habe, tatsächlich öfter „ich“ anstatt „man“. Und ich habe immer das Gefühl, dass ich mich damit vielleicht ein bisschen mehr angreifbar mache in meiner Meinung, aber meine Meinung eben auch als solche verstanden und geachtet wird. Ein gutes Gefühl! 🙂

      Gefällt 1 Person

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