Vom Unterwegs sein und Ankommen

Wenn dieser Artikel online geht, bedeutet es, dass ich angekommen bin. Momentan sitze ich noch im Zug, zwischen Bremen und Hamburg ist die Strecke gesperrt, Schienenersatzverkehr ist nur beschränkt eingerichtet. Wann ich in Hamburg ankomme – keine Ahnung.

Aber vielleicht sollte ich am Anfang anfangen. . .


Geplant war ein Wochenende in Hamburg, eine gute Freundin besuchen, in der Alster baden, vielleicht ein Kurztrip ans Meer? Aber schon in Essen hat der Zug 2,5 Stunden Verspätung und die Zugverbindung wird aufgehoben. Ich kann eine andere Bahn nehmen, wäre laut Plan sogar etwas früher da! Obwohl der Zug voll ist genieße ich die Fahrt.

Vielleicht sollte ich dazu sagen: Ich bin Zugfahrerin aus Leidenschaft! Diese gleitende, fast schwebende Dahinsausen, Kopf und Hände frei zum lesen, essen, Musik hören… und aus dem Zugfenster gucken ist für mich eh die beste Meditation nach Katzen kraulen.

Irgendwo hinter Bremen halten wir an einem einsamen Bahnsteig. Streckensperrung, Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben, wer möchte darf aussteigen. Also stehen wir am Bahnsteig und schauen in den Sonnenuntergang, während vermutlich irgendwo vor uns auf den Schienen die Feuerwehr damit beschäftigt ist die Sturmschäden zu sichten und zu beseitigen.

Nach 1,5 Stunden ist aber klar: Die Strecke bleibt gesperrt, wir fahren zurück nach Bremen. Und da bin ich dann gestrandet. Eigentlich sollte es Taxis geben, die Schlange rückt aber sehr langsam vor, unter den Reisenden herrscht Ratlosigkeit, die Bahnmitarbeiter sind überfordert und gestresst und alle sind müde. Irgendwo hört man Gerüchteweise von Bussen und ein Hotelzug wird eingerichtet, in dem man sich bis zum nächsten Morgen aufhalten kann… Es ist mittlerweile 23.30.
Das verrückte an solchen Situationen ist ja immer: Im den festgefahrensten Situationen passiert doch oft irgendwas Gutes. Irgendwie geht es immer weiter. Ich hatte wirkliches Glück und bin letztendlich bei der Freundin einer Freundin, die gerade bei ihrem Freund in Bremen ist, auf der Couch gelandet. Und kurz bevor ich einschlafe, mit meinem Pullover als Kopfkissen, denke ich noch wie sehr ich dieses Gefühl liebe, unterwegs zu sein. Das Dinge passieren, die ich nicht vorraus gesehn habe, Menschen kennen zu lernen die sonst nie getroffen hätte, sich auf Situationen und Orte einzulassen, Lösungen aus der Situation heraus zu finden. Das Gefühl: Ich bin jetzt hier. Es hat sich eine Lösung gefunden. Menschen haben mich aufgenommen. Ich bin sicher – und trotzdem ist nichts fest, denn morgen geht es weiter.

Aber am nächsten Morgen sieht bekanntlich immer alles ganz anders aus. Ein kleiner 4 jähriger kommt erstaunt ins Wohnzimmer und verkündet „Sie ist wach!“ Es gibt unglaublich guten Kaffee und einen Crash Kurs im Papierflieger bauen. Und dann bin ich auch schon wieder unterwegs, laufe durch das morgentliche Bremen, nehme diese Stadt bei tageslicht war, freue mich über die hanseatische Architektur, das Wasser und den Wind, während die Menschen um mich herum zur Arbeit radeln und  Marktstände aufgebaut werden. Wie schön, dass ich diese Stadt nun auch nochmal ein bisschen kennen lerne!
Die Strecke zwischen Bremen und Hamburg ist immer noch gesperrt. Aber die halbe Strecke fährt ein Regionalzug und ab da ein Pendelbus. Und da alle anderen Züge ausfallen, probiere ich das jetzt. Ob es geklappt hat, wisst ihr ja jetzt* 😉

*Hamburg Dammtor, 15.20 Uhr

 

Bist du auch gerne unterwegs oder bleibst du lieber an einem Ort? Kommst du gerne an? Oder bist du lieber unterwegs? 

8 Kommentare zu „Vom Unterwegs sein und Ankommen

    1. Ja, Züge sind für mich definitiv das beste Fortbewegungsmittel, besonders für lange Strecken. Ich war mit dem Zug auch schon in Rom und Marokko 🙂 Ich mag’s einfach, wenn ich so mit den Menschen und der Umgebung verbunden bleibe beim Reisen.

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    1. Hallo!
      Danke für deinen Kommentar 🙂 Ja, für mich auch. Und wenn man den Weg auch wirklich erlebt, klingt auch der Spruch gleich weniger abgedroschen und bekommt eine tiefere Bedeutung. Inzwischen würde ich mir oft gerne viel mehr Zeit für den Weg nehmen.
      Liebe Grüße,
      Marita

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    1. Hallo Rox, Mir geht’s genauso. Ich muss nicht ständig auf Achse sein, aber ich genieße auch die neuen Eindrücke. Dazu kommt, dass ich meistens beim Reisen Freunde besuche und das Fremde dann meist in bekannter Begleitung erlebe. Das ist immer eine tolle Erfahrung!
      Liebe Grüße,
      Marita

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  1. Seh ich auch so, viele meiner Freunde sind der Meinung, man müsse ab und zu alleine reisen, um quasi gezwungen zu sein, neue Kontakte zu knüpfen etc. – ich muss aber ehrlich sagen, ich genieße bekannte Begleitungen, schließt ja auch nicht aus, dass man neue Leute kennenlernt 🙂 LG Rox

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