Von Handyfotos und großer Freude

Ich gebe es freimütig zu: Ich habe eine Zeitlang mein Essen fotografiert. Nicht jedesmal und auch selten im Restaurant oder so, aber doch zu Hause. Damals habe ich viele neue Rezepte ausprobiert und Foodblogs gelesen. Ich habe mich so gefreut, wenn mein Essen am Ende richtig schön aussah – oder wenn es phänomenal geschmeckt hat. Machmal habe ich das Foto an Freunde oder Familie geschickt. Um meine Freude mit ihnen zu teilen. (Ich mag es sehr meine Begeisterung für Dinge mitzuteilen ;)). Viele Fotos habe ich aber auch nie wieder angesehen. Und deshalb habe ich mich gefragt, warum tue ich das? Und was passiert mit mir, wenn ich ein Handyfoto aufnehme?

Die Situation ist also zum Beispiel folgende: Ich sehe oder tue etwas, das mich begeistert. Ich bin vielleicht auf einem Konzert, die Band macht eine tolle Show, alle gehen mit. Ich denke: dieser Moment ist soo toll, den will ich für immer aufheben, da will ich mich immer dran erinnern. Damit ziehe ich mich aber aus der Situation heraus, ich sehe die geniale Show plötzlich klein auf dem Bildschirm und schiebe mein Handy zwischen das freudige Ereignis und mich, ich bin kurz abgelenkt und muss mich danach erstmal wieder neu konzentrieren. Dabei ist das schöne an diesem Moment doch eigentlich, das er einfach schön ist.

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Oder ich habe etwas gigantisch gutes gekocht, der dampfende Teller steht vor mir meine Freude ist so groß, dass ich irgendetwas damit anstellen muss. Also ziehe ich mein Handy aus der Tasche und mache ein Foto, dass ich an meine Freunde schicke. Währenddessen werde ich ungeduldig, denn das leckere Essen wird ja kalt! Also texte ich munter weiter, während ich esse.

Genießen können – und Freude speichern

Und irgendwann hat es angefangen mich zu stören. Ich möchte ich das nicht mehr. Wenn ich auf einem Konzert bin, dann will ich tanzen, springen, mitsingen, taumeln vor Glück über die Musik, die durch mich hindurch geht, die Menschen neben mir in den Arm nehmen und angrinsen. Und klar, bleibt so ein emotional erlebter Moment im Gedächtnis – auch wenn ich mich nicht an jedes Detail der Show erinnere. Ein Foto brauche ich dafür eigentlich nicht. Und oft kommt doch im rückblickenden Gespräch die Freude am gemeinsamen Erleben wieder hoch.

Und wenn ich mal wieder ein neues Rezept ausprobiere, und mich mein Teller förmlich anlacht, dann will ich den Duft wahrnehmen, den ersten Löffel erleben, die verschiedenen Gewürze schmecken, einfach mal gar nicht denken, sondern diese Zeit nehmen um nur zu essen. Oft denke ich dann an eine bestimmte Person, der ich von diesem Rezept erzählen möchte. Aber hej: Entweder ist es so lecker, dass ich mich noch dran erinnere wenn wir uns das nächste Mal sehen, oder es war vielleicht doch nicht so wichtig 😉 Und wenn ich mit jemandem gemeinsam am Tisch sitze – umso besser. Gemeinsam schwärmen und schwelgen ist wunderbar.

 

Wie seht ihr das? Ist es Euch wichtig, Momente festzuhalten? Warum? Und wie teilt ihr Eure Freude? Live oder digital?

 

15 Kommentare zu „Von Handyfotos und großer Freude

  1. Hallo Marita,
    du fragst. Versuch mich zu erklären.
    Nein.
    Ich fotografiere die schönen, heiteren sowie die hässlichen Momente nicht. Sie sind nur für mich. Dann betrachte ich nur, ganz leise.
    Mal abgesehen davon, dass es meist unpassend wäre in diesem Augenblick eine Kamera zu zücken, vergeht der Moment meist so schnell, dass ich ihn gar nicht festhalten könnte. Oder er kommt recht unerwartet, wie ein Gespräch mit einem fremden Menschen an der Registrierkasse, oder wie neulich auf´m Friedhof, wo sie und ich laut Lachen mussten. Dies sind für mich die schönen, unverhofften Momente. Die mag ich ganz besonders. Eine Kamera nehme ich nur mit einer Absicht mit. Mit dem Handy fotografiere ich überhaupt nicht.
    Ich hoffe, ich konnte deine Frage etwas beantworten.
    Wenn nicht, kannste gerne nachfragen.
    Herzliche Grüße, Peter

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    1. Hallo Peter,
      Danke für deinen Erklärungsversuch. 🙂
      Ich glaube, ich verstehe auch ganz gut was du meinst und sehe das im Prinzip auch genauso. Manche Momente hinterlassen Spuren in unseren Herzen und Gedanken – sie in ein Bild zu bringen ist nicht nötig.
      In deinen Bildern finde ich hingegen viele Geschichten, die über den festgehaltenen Moment hinaus gehen. Das mag ich sehr!
      Aber vielleicht ist das auch die Interpretationswut einer Kunstgeschichtlerin? 😉
      Noch viele schöne Momente mit und ohne Kamera!
      Marita

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      1. Hallo Marita,
        vielen Dank für deine Rückmeldung.
        Und für deine lieben Worte und Dank für dein gleich darauffolgendes „aber“. Dies ist etwas, was ich mag. 😉 Vielleicht interpretierst du zu viel hinein. Obwohl ich mir schon Gedanken bei dem ein oder anderen Bild mache, definitiv. Aber meistens denke ich nicht. 🙂
        Habe mich sehr über deine Antwort gefreut!
        Dir einen schönen Sonntag.
        Herzliche Grüße, Peter

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  2. Hallo Marita, ich glaube das machen wir aus Freude oder weil es uns wichtig erscheint dieden Augenblick mit anderen zu teilen. Leider verpassen wir dadurch unseren Moment…. wie du in deinem Beitrag schreibst, irgendwann hast du das einfach nicht mehr gemacht, weil du genau das gefühlt hast. Ich entscheide mich intuitiv, was ich mit anderen Menschen teilen möchte. Einen schönen Tag wünsche ich dir Tete

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    1. Hallo Tete,
      Ja, ich denke du hast da ganz Recht. Ich teile immer noch gerne Momente mit anderen Menschen, aber wenn dass nicht möglich istz ist es auch schön eine Erinnerung zu teilen. 🙂
      Eine intuitive Entscheidung ist sicher in jedem Fall gut!
      Hab auch einen schönen Tag,
      Marita

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  3. Hallo Marita,
    seitdem ich mein Smartphone habe, erliege ich auch immer wieder der Versuchung , schnell ein Foto von diesem Augenblick, diesem schönen An- oder Ausblick zu machen. Oft genug ist das Foto dann längst nicht so ausdrucksstark wie der Moment, Emotionen lassen sich sowieso kaum auf ein Foto bannen, zumindest nicht von Laien. Das eine oder andere ist eine schöne Erinnerung mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Manchmal aber glückt ein Foto, und ich freue mich dann zu Hause noch einmal an dem Schönen Garten den ich im Urlaub bewundert habe.
    Aber auch ich mache Fotos von Dingen, die mir gerade gut gelungen sind, Handwerkliche Sachen, Essen o.Ä. Und dann schicke ich sie an Freundinnen, chatte darüber und freue mich über Ihre Mitfreude. Das nimmt Zeit in .Anspruch.
    Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich viel weniger von diesen Dingen in mein Tagebuch schreibe, bzw. nicht direkt, sondern ein paar Tage später, dann ist aber meine erste echte Emotion, meine Freude, Mein Stolz über das Gelungene ja schon nicht mehr so authentisch und frisch. Und das finde ich dann schade.
    Also versuche ich jetzt immer erst inne zu halten und mich erstmal für mich zu freuen, mir vielleicht die Zeit zu nehmen kurz meine guten Gefühle und Gedanken dazu zu notieren und dann kann ich es immer noch mit anderen teilen

    ZU Konzertfotos denke ich folgendes: wie du weißt war ich leidenschaftliche BAP Konzert_ Besucherin. Natürlich habe ich damals auch Fotos gemacht, ABER 1. hatte so ein Film früher nur 24 Bilder und 2. brauchte ich anfangs sogar Blitzwürfel – also 4 Fotos konnte ich machen. vielleicht 8. denn man konnte ja nicht endlos Gepäck mit in die Halle nehmen und es hätte uns ja auch beim tanzen, springen und jubeln gestört. Ich habe die Konzerte in vollen Zügen genossen und habe immer noch gute Erinnerungen daran.
    So habe ich ein paar mehr oder weniger gute Fotos von dieser für mich so intensiven Zeit. Aber diese paar Fotos sind für mich dafür um so wertvoller.

    Weniger ist mehr 😉
    liebe Grüße
    Kathrin

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    1. Sehr schön habt Ihr Eure Eindrücke beschrieben!
      Ich würde gern meine Gedanken dazu mitteilen, habe mal wieder keine Zeit.
      Habe Geduld mit einer alten Ruheständlerin! Vielleicht später! ihr habt wertvolle Anregungen gegeben.
      Nun doch noch kurz: Oft möchte ich Fotos machen. Es gibt so herrliche Momente zum später Anschauen und Erinnern in der Sofaecke! Doch meistens bin ich vom Erleben so beeindruckt, dass ich dass Festhalten vergesse. Eigentlich schade oder nicht? Egal, lässt sich nicht ändern!
      Liebe Grüße
      Renate

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      1. Liebe Renate,
        Wie schön, dass du so mit erleben beschäftigt bist. Bleibt denn auch ohne Bild eine Einnerung?
        Ja, Fotos in der Sofaecke gucken ist toll! Dafür lohnt es sich schon ab und zu mal zu fotografieren. 🙂
        Alles Liebe Dir,
        Marita

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    2. Hallo Kathrin,
      Da kommen ja ein paar spannende Dinge zusammen. Dass du dir erstmal einen Moment nimmst, um die Freude bewusst zu genießen finde ich zum Beispiel echt schön. Aber ich kenne auch gut das Gefühl, dass die Freude so groß ist, dass man sie einfach teilen muss und dann nehme ich mir auch gerne die Zeit für den Austausch. Was ich sehr interessant finde: Dir scheint es wichtig zu sein, deine Gefühle in Worten festzuhalten. Unmittelbar und direkt. Aber passiert da nicht das Gleiche, was mich (das kann bei dir natürlich ganz anders sein!) beim Fotografieren stört, eben dass ich mich damit so aus der Situation herausziehe? Oder ist das für Dich eher eine Möglichkeit dir selbst und deiner Freude den nötigen Raum zu geben?

      Und ja, Konzertfotos 😉 Da kommt wohl einiges zusammen. Fotos sind halt dann doch Objekte, an die sich Erinnerungen binden. Wie schön, dass sie so wertvoll für dich sind! Aber vielleicht eben auch weil es so wenige sind? Da kommen mir so viele Gedanken, dass ich glaube ich noch mal einen Artikel schreiben muss 😉

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  4. Hallo liebe Marita,
    vielleicht ist es komisch, aber ich habe auch in den letzten vielen Fotos von meinem Essen gemacht. Jedes Abend, an dem ich was gekocht habe, habe ich fotografiert und meiner Familie oder meiner Freunde mitgeteilt. Das finde ich schön, weil man über das Essen viel sprechen kann und wenn man erzählen möchte, wie das Essen war, ist es manchmal einfacher das Foto zu zeigen und dann das zu erklären.
    Ansonsten mache ich bei den Konzerten meistens kein Fotos, oder doch einige. Nicht zu teilen, aber später zu sehen, wie es war oder so.
    Ich glaube, es ist völlig in Ordnung, wenn man nicht ständig Foto aufnimmt wie z.B. 20 Fotos pro Tag.
    Was ich aber schöner Finde, das Foto zu drücken. Das Papier bringt ein Gefühl, dass ich echt in diesem Moment gelebt habe. 🙂
    Danke schön für diesen schönen Beitrag.
    Liebe Grüße.
    Yusuf

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    1. Haha, also um das mal ganz klar zu sagen: Essen ist etwas großartiges. Und die Möglichkeit, Dinge schnell über eine große Distanz mitzuteilen möchte ich eigentlich auch nicht missen. Vermutlich hast du Recht, es kommt auf die Menge an. Und auf das Bewusstsein dabei. Und deshalb habe ich auch angefangen, wieder analog zu fotografieren… Aber da wollte ich auch demnächst noch mal was drüber schreiben 😉
      Liebe Grüße,
      Marita

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  5. Analog zu fotografieren finde ich toll, aber ich habe einen digitalen Fotoapparat, deswegen mache ich immer so. Dann lasse ich aber sie drücken, damit ich etwas Echtes haben kann.
    Ich bin schon gespannt auf deine Erfahrung mit dem Analogkamera.
    Liebe Grüße. 🙂

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    1. Lieber Yusuf,
      Ja, Fotos ausdrucken ist echt schön. Dann schaue ich sie auch viel lieber an! 🙂 Es macht auch Spaß, schöne Fotos auszusuchen und an die Wand zu hängen zum Beispiel.
      Der Artikel zum Analog fotografieren kommt 😉 Noch ein bisschen Geduld, ich bin gerade sehr langsam… Aber ich komme bestimmt an 🙂
      Alles Gute für Dich!
      Marita

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