Morgens ist einfach nicht mein Tag

In den letzten Tagen habe ich eine Feststellung gemacht: Ich bin gerade in der ganz falschen Filterblase. Nämlich in einer in der die Menschen morgens um 6.00 Uhr aufstehen, Yoga machen, Dankbarkeitstagebücher schreiben, Meditieren und grüne Smoothies trinken. UND DAS VOR DEM FRÜHSTÜCK!!

Falls ihr es noch nicht ahnt, hier kommt ein Outing: Ich bin ein Morgenmuffel.

Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie diese Menschen das machen. Mein Morgen sieht anders aus. Er beginnt mit dem Wecker. Dem ersten Wecker. Ihm folgen in der Regel zwei weitere, die man jeweils mehrfach auf noch mal snozzeln schicken kann. Meistens brauche ich mindestens eine halbe Stunde vom ersten Wecker bis zum ersten Fuß aus dem Bett. Dann geht’s am liebsten als erstes auf’s Klo. Da muss man nicht viel Denken. Pullover anziehen ist ganz wichtig. Damit der Körper noch ein bisschen weiter Snoozeln kann, während der Kopf sich mit dem Frühstück versucht. Wobei auch hier eigentlich gilt: Desto weniger Kopf, desto besser. Ich glaube, ich frühstücke wirklich als erstes, weil das am einfachsten ist. Das hab ich schon immer so gemacht. Da weiß ich wie das geht. Ziemlich lange gab’s auch einfach nur Müsli. Da muss man noch weniger denken, tun und kauen. Der Kaffe ist alle oder keine Marmelade mehr da? Das kann für meinen Morgenkopf ein wirklich ernstes Problem sein, denn in der, im warsten Wortsinn, gähnenden Leere des Gehirns findet sich für so etwas keine Lösung.

Teilweise versuchen Menschen vor dem Frühstück mit mir zu kommunizieren. Als Teenager habe ich meine beiden Brüder gerne mal unwirsch um Ruhe gebeten, weil sie wagten sich beim Frühstück zu unterhalten! Über Fußball! In dieser Hinsicht habe ich in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Ich grüße Menschen mit winken, ich kann nicken oder den Kopf schütteln und ein verständnisloses Blinzeln oder Hmmmm? bringe ich auch zustande. Meist folgt dann von meinem Gesprächspartner ein gönnerhaftes „Werd erstmal wach“. Fakt bleibt aber: Morgens ist die einzige Zeit am Tag, in der ich wirklich ausgesprochen gerne alleine bin.

Wenn ich das alles hinter mich gebracht habe, mein Kaffee leer ist und der Müslitopf auch, dann kann der Tag beginnen. Und das Schöne ist: Normalerweise bin ich dann auch wach! Und zwar ganz ohne Yoga oder grüne Smoothies! Dann kann ich an den Schreibtisch und Hausarbeiten schreiben oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und drei Besprechungen hintereinander sind absolut kein Problem. Vorrausgesetzt es ist nichts schief gelaufen. (Siehe: kein Kaffe mehr da, zu wenig Zeit zum Frühstücken, weil ich mich zwischen den Weckern versnoozzelt habe…) So was kann mir dann echt den Tag vermiesen und unterschwellig bin ich den Rest des Tages gestresst.

Ich verstehe absolut nicht, warum der Morgen so gehypt wird. Warum wollen plötzlich alle um 5.00 aufstehen und ausgerechnet vor dem Frühstück schon den Tag planen? Warum wird als produktiv angesehen, wer morgens als erstes im Büro ist und als seltsam, wer erst kurz vor Beginn der Kernzeit eintrudelt? Warum gilt der morgen als produktive Zeit und der Abend als Rückzugszeit? Ich schreibe meine Dankbarkeitstagebücher (und Blogbeiträge ;)) viel lieber abends nach zehn, wenn es draußen ruhig ist und nur die Nacht durchs Fenster weht, wenn das Licht gedämpft ist und die Welt weniger Geräusche hat. Wenn ich früh aufstehen würde, wäre ich dafür zu müde.

Und eigentlich mag ich auch meine Morgenmummeligkeit. Ja, vielleicht wirkt das auf andere abschreckend. Aber ich brauche diese Zeit für mich. Und mir bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als sie mir zu nehmen. Ganz in Ruhe, nur ich, meine Tasse Kaffee, und mein Kopf, der sich langsam, ganz langsam mit Gedanken füllt. Ich brauche dafür keine Musik, die mich sanft aus dem Schlaf holt oder ein kleines Workout beim Zähneputzen. Ich häng mir auch keine Achtsamkeits Sprüche an den Spiegel. Ich bin einfach langsam. Weil’s schneller nicht geht.

Und du? Erzähl mal wie du am liebsten in den Tag startest! Frühstück oder Smoothie? Yoga oder Snoozze?

4 Kommentare zu „Morgens ist einfach nicht mein Tag

  1. Guten Abend, Lele! Hypen? Snoozeln? Snozzeln? Ganz neue Begriffe für mich, doch aus dem Zusammenhang habe ich ihren Sinn erkannt! 😉😜 Filterblase finde ich besonders treffend! Wie schade, dass dich dein Wecker so früh stört! Da würde ich auch lieber weiter‘ snozzeln, oder snozzeln?Im Bett rumdrehen und weiter „pennen“! Zum Glück kann ich das und tue es ohne Probleme. Da gibt es tatsächlich Leute, so alt wie ich , die glauben, ihre Tagesmühsal nicht geregelt zu kriegen, wenn sie später als 6 😬 aus dem Bett springen! So, das wär‘ s für heute Abend! Sonst kriege ich nicht die Kurve, bevor ich ins Bett falle! Noch gute Verrichtung heute! Morgen ist Samstag und übermorgen Sonntag! Da sollte der Wecker die Klappe halten! Oder gibt es für dich auch am WE kein Snozzeln? Hoffentlich ist noch Kaffee da! Mach’s gut! Renate

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    1. Liebe Renate!
      Ich finds klasse, dass du dich von den unbekannten Begriffen nicht hast abschrecken lassen – und auch, dass du dich gern morgens noch mal rumdrehst. 🙂 Ich denke, manchmal ist doch ein bisschen Ruhe besser als der ganze Stress, oder?
      Und keine Sorge: Am Wochenende wird ausgeschlafen! Und dann natürlich gut gefrühstückt. Mit nem Pott Kaffee und ganz in Ruhe. 🙂
      Mach’s auch gut!
      Marita

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  2. Jetzt kann ich deine neuen Einträge lesen.
    Ehrlich gesagt bin ich auch ein Morgenmuffel aber wegen meiner zwei Kinder muss ich mich ein bisschen zusammen reißen, fällt mir schwer aber mit den Jahren klappt es immer besser *Lach *hatte schon Probleme Nachts zu stillen. Ich schlafe sehr gerne und am liebsten sehr lange 😄

    Gefällt 1 Person

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