An das unmögliche Glauben

Manchmal frage ich mich: Wo ist eigentlich die Grenze zwischen dem, was ich mir vorstelle und dem was da ist?

Die Welt ist voller Wunder. Und dabei denke ich noch nicht mal an die sieben Weltwunder oder die Wunder der Natur. Ich will hier auch keine Märchen erzählen, auch wenn es im Folgenden um Feen und Zwerge geht, um Zauber und Magie. Ich will auch keine flabsigen Sprüche klopfen: „Das Leben ist ein Wunder blabla…“ Nein. ich bin wirklich überzeugt, dass die Welt voller Wunder ist. Die entscheidende Frage ist: Glaubst du auch daran? Glaubst du, an das Unmögliche?

Die Zeit heilt alle Wunder

schon nach wenigen Jahren

nur noch Narben, da wo Wunder war

„Die Zeit heilt alle Wunder“ von Wir sind Helden

In dem Song „Die Zeit heilt alle Wunder“ singen Wir sind Helden davon, dass wir uns als Kinder über so vieles wundern und so viel Besonderes erleben und das uns dies im Laufe des Lebens verloren geht. Weil wir uns nicht mehr die Zeit nehmen hinzusehen oder weil wir uns irgendwann auch an die Dinge gewöhnen, die uns erst wunderbar und seltsam neu vorkommen. Der Verlust, dieser Fähigkeit die Wunder zu sehen, wird in dem Song fast ungläubig betrachtet. Etwas wird geheilt, aber trotzdem bleiben Narben.

Das Wunder irgendwie zur Kindheit gehören, ist ein alter Topos. Diese Zeit, bevor wir lernen Zusammenhänge herzustellen und Beweise zu fordern zeigt uns eine andere Seite der Welt, die wir später schnell vergessen. Feen und Weihnachtsengel, aber auch das Monster unter dem Bett, sind so lange real, noch bis wir gelernt haben, Realität und Phantasie zu unterscheiden.

Denn oft genug passiert es uns doch, wie in dem Lied von Wir sind Helden: Die Wunder ziehen an uns vorbei, sie bleiben nicht mehr stehen. Wir haben den Blick verloren, der Verstand sagt uns: „Das ist unmöglich, es kann gar nicht sein. Das geht einfach nicht.“ Wir wissen jetzt, was Phantasie ist und was Realität und die Trennung ist strikt. Es kann nicht beides sein. Entweder es gibt Feen, dann aber bitte den wisseschaftlichen Beweis dazu. Alles andere ist Humbug, Schwindel, Scharlatanerei. Oder eben einfach eine Kinderei.

Auch in der Geschichte von Peter Pan geht es um einen Jungen, der nicht erwachsen werden möchte und sich den Glauben an das Unmögliche bewahrt. Klar, kann er fliegen, wenn er nur will. Und die kleine Fee Tinker Bell, die ihn bei seinen Abenteuern begleitet, ist sogar mit ihrem Leben an diesen Glauben gebunden: Wenn ihr gegenüber jemand seinen Unglauben äußert und behauptet: „Feen gibt’s doch gar nicht!“, wird sie immer durchscheinender bis sie ganz verschwindet. Erst der Glaube an das Unmögliche kann sie retten.

Was würde passieren, wenn wir den Glauben an das Unmögliche bewahren, obwohl wir wissen, was Phantasie und Realität ist. Was passiert, wenn wir die Trennung nicht ganz so ernst nehmen und einfach ab und zu mal sagen: Ja, ich weiß, dass es keine Feen gibt. Aber möglicherweise macht es das Leben ein wenig magischer und zauberhafter, wenn ich glaube, dass es sie gibt.

Was haben wir schon zu verlieren? Unsere Ernsthaftigkeit? Unsere Professionalität? Den Respekt unserer Umwelt?

Und was würden wir gewinnen? Der Glaube an das, was uns als Erwachsene unmöglich erscheint, macht einen Zauber im Leben aus und bereichert unsere Wahrnehmung der Welt. Er ermöglicht uns, außerhalb des Bereiches zu denken, den wir als möglich definiert haben und fördert damit Kreativität und auch Mut. Denn dann würden wir vielleicht nicht sagen: „Das ist unmöglich, es kann gar nicht sein. Das geht einfach nicht.“ sondern: „Das ist eine Möglichkeit, es könnte Realität sein. Vielleicht funktioniert es.“ Wer so denkt, der sieht mehr vom Leben. Und damit meine ich wiederum nicht nur die Feen, Trolle, Elben oder was sonst noch so rumschwirrt. Damit meine ich ganz handfeste Dinge. Eine Beziehung mit diesem Menschen, der so ganz anders ist als alles was ich kenne. Ein Job im Ausland. Ein Urlaub, in meiner Stadt, ganz ohne Ferne und Fliegen. Einfach mal im Park auf einen Baum klettern.

Ich glaube, genau hinsehen, das Besondere auch im Kleinen oder Alltäglichen zu bemerken, fördert die Wahrnehmung für das was alles möglich ist. Und das wertfreie Staunen und Freuen darüber, dass so etwas existiert, bedeutet sich für das Besondere empfänglich zu machen. Neue Möglichkeiten zu erkunden und sie phantasievoll und kreativ außerhalb von dem zu denken, was als möglich definiert wurde ist eine große Freiheit. Wer diese Freiheit für sich in Anspruch nimmt, der wird wohl einige Wunder erleben. 🙂

Das Unmögliche zu Glauben, bedeutet Wunder zu ermöglichen.

Marita

Habt ein paar Schöne Tage zwischen den Jahren und genießt das Leben und das Staunen 🙂