Wenn die Masken fallen, werden die Rollen neu verteilt

Gerade ist zeigt sich, wer wirklich in uns steckt, was uns ausmacht, wer wir sind. Im Alltag tragen wir Masken und spielen Rollen. Aber jetzt werden die Karten neu gemischt, die Rollen neu verteilt. Und ob am Ende ein Drama oder eine Komödie herauskommt – es liegt in unserer Hand.

Da ist er, der in seinem eigenen Käfig sitzt. „Ich brauche Sicherheit.“, sagt er und verstärkt die Gitterstäbe.

Eine andere ist es gewohnt, immer zu laufen und unterwegs jeden Ball aufzufangen. „Ich will doch vorwärts kommen“, sagt sie und läuft noch schneller ohne zu merken, dass sie längst auf einem Laufband steht.

Da ist sie, die die Farben so liebt. Sie reiht die Feuerwerkskörper auf, hält sie Zündung bereit und starrt voll Erwartung in den dunklen Himmel. Die bunten Blumen neben ihr, bemerkt sie nicht.

Ein anderer ist es gewohnt, immer aus dem Vollen zu schöpfen. Jetzt sieht er den Brunnen plötzlich halb leer und schüttelt verärgert den Kopf. „Unverschämtheit!“, sagt er. „Total unfair!“


Gerade zeigt sich, wer wir bisher waren. Aber vergessen wir nicht: Die Karten werden neu gemischt, die Rollen neu verteilt. Welche Rolle möchtest du spielen? Ich mache Dir einen Vorschlag:

Da bist du, der im Park den Sonnenaufgang beobachtet. Minutenlang, mit geschlossenen Augen. Du genießt die Wärme, die frische Frühlingsluft, den besonderen Duft. Weil Frühling ist. Gerade jetzt.

Und du, die du Masken nähst, für dich für andere. „Wir müssen zusammenhalten“, sagst du kämpferisch.

Da bist du, die du dein kleines Café mit so viel stolz und Liebe führst. „Wir müssen durchhalten!“ sagst du und lieferst den Kuchen mit dem Lastenfahrrad aus.

Und du, der du dich mal wieder meldest, einfach so. Und gerade da, wo schon lange niemand mehr angerufen hat. „Wir schaffen das zusammen.“, sagst du, und es fühlt sich an wie eine Umarmung durch den Telefonhörer.


Nicht nur die Rollen werden neu verteilt, auch das Skript wird erst geschrieben. Was richtig ist, und was falsch ist gerade schwer und vielleicht gar nicht zu objektiv entscheiden. Oft wird uns gesagt, „Es geht um Leben und Tod.“ Das klingt, als ob es um moralische Entscheidungen geht. Um Verantwortung. Ja, auch um Werte. Wir sind es gewohnt, dass uns diese Entscheidungen abgenommen werden, dass sie klar definiert sind. „Es gibt ja Gesetze.“ sagen wir. Oder „Naja, so ist das System – ich find’s ja auch scheiße!“ Und jetzt? Mehr als zuvor sind wir selbst gefordert. Denn was richtig ist, was falsch – im Detail muss es jeder selbst entscheiden. Und doch brauchen wir gerade viel Vertrauen. Vertrauen in Wissenschaftler, dass sie die Situation besser überblicken als wir selbst. Vertrauen in Politiker, dass sie gerechte Entscheidungen treffen. Und besonders brauchen wir Vertrauen in unsere Mitmenschen. Dass sie verantwortungsvoll handeln, auch, wenn wir nie sicher sein können, ob sie die gleichen Maßstäbe haben und die gleichen Werte vertreten.

Schau dich um und schau in dich hinein. Ja, es liegt an Dir, wie die Zukunft wird. Aber es liegt auch an dir, wie du diesen Moment wahrnimmst. Kannst du die Blumen noch sehen, und die Sonnenstrahlen zwischen den Kirschblüten? Oder siehst du nur noch Schlagzeilen und leere Regale? Kannst du noch lachen, über den Hund deines Nachbarn? Oder hälst du ängstlich Abstand, wenn du ihm auf der Straße begegnest?

Ich weiß nicht, wer du bist aber ich habe einen Tipp für dich. Stell Dich doch heute einmal ans Fenster,. Nicht, um zu klatschen, sondern um heraus zu schauen. Und wenn dir das zu langweilig ist, dann nimm Seifenblasen mit. Schau ihnen hinterher, lächle. Sieh zu wie sie schweben, fallen, zerplatzen. Mache neue. Schaue ihnen hinterher. Lächle! Und versuche mal, eine zu machen, die so richtig groß ist. Sooo groß – und die nur kurz steht, mitten in der Luft, nur für diesen Moment in dem du sie bestaunst und dich freust, was du geschafft hat – bevor sie zerplatzt. Mach Seifenblasen.* Und lächle. Nur für dich.

*selbstverstänlich gilt das nur, wenn du mindestens im zweiten Stock wohnst oder ein Fenster zum Hinterhof hast. Aerosol und so, du weißt schon. Aber ich will dir die Freude nicht nehmen. Wenn es nicht anders geht, dann nimm Konfetti. Funktioniert auch. Versprochen 🙂


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2 Kommentare zu „Wenn die Masken fallen, werden die Rollen neu verteilt

  1. Herrlicher Sonnentag: Ich schaue aus dem Küchenfenster. Kinder flitzen mit ihren Rädern durch meinen Vorgarten und quietschen vor Freude, wenn sie von der Rampe am Ende ihrer Bahn weit fliegen. Ich freue mich mit ihnen.
    Besinnlicher Abend: Ich spaziere durch den Vorgarten und mache Pflegepläne für den nächsten Tag. Wie herrlich alles blüht! Doch da sind ein paar Pflanzen angeknickt. Stängel liegen auf dem Bürgersteig neben dem Beet. Ich ärgere mich. Doch was soll`s ? Wir hatten Spaß! Es war ein wunderbarer Tag!
    Coronazeit – Chance zum Umdenken!

    Danke! Du sprichst mir mal wieder aus der Seele, liebe Lele!

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Renate,
      Wie schön, dass das Leben um dich herum tobt und blüht! Kleine Ärgernisse wird es wohl immer geben. Ich glaube sie sind dazu da, uns zu zeigen wie schön das Leben eigentlich ist! So wie ein Regenbogen, der Sonne und Regen braucht 🙂 Hab weiterhin eine schöne Zeit!
      Alles Liebe 🌻

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