Geld ist nicht die Hauptsache…

Ich suche einen Job. Aber eben nicht irgendeinen. Ich möchte etwas tun, das mich erfüllt, herausfordert und weiterbringt. Ich möchte einen Sinn sehen in dem was ich tue und meinen Weg weitergehen. Ich weiß, was ich will. Aber meine Vorstellung von Arbeit ist eine ganz andere, als die die mir in meiner Suche entgegenschlägt. Was ist Arbeit? Und warum arbeiten wir? Ich kann etwas tun, das mein Überleben sichert und Geld einbringt. Ich kann etwas tun, das mir Sinn gibt und mich erfüllt. Was ist wichtiger? Und wie passt beides zusammen?

Glückskind

Ich habe lange über diesen Text nachgedacht. Auch darüber nachgedacht, wie ich darüber schreiben kann, denn über Arbeit, Geld und Selbstverwirklichung zu schreiben bedeutet auch, über Privilegien zu schreiben, Privilegien die auch auf mich zutreffen und die ich für mich auch in Anspruch nehme. Ich schreibe hier über mich. Und dabei ist zuerst zu sagen: Ich bin ein absolutes Glückskind. Ich habe in meinem Leben bisher kaum eine Entscheidung von Geld abhängig machen müssen, ich hatte immer genug Geld. Das hat vor allem zwei Gründe: Meine tollen Eltern, die mich immer unterstütz haben und meinen recht genügsamen Lebensstil. Außerdem hatte ich das unglaubliche Glück, bei den großen Richtungsentscheidungen (welche Abifächer, welche Uni, welches Fach…) immer sehr frei gewesen zu sein. Weder NC noch restriktive Auswahlverfahren haben mir Grenzen gesetzt. Und selbst wenn es mal eng wurde, war die Auswahl an guten Alternativen immer groß genug. Die letzten zehn Jahre war ich daher wohl so frei, wie man in dieser Welt überhaupt nur sein kann.

Wo die Freiheit endet…

Und jetzt suche ich einen Job. Und damit auch einen Weg in meine persönliche Zukunft. Und finde mich plötzlich in einem System wieder, in dem mir die Entscheidungen nicht mehr selbst in der Hand liegen und Geld der allgemeine Bewertungsmaßstab. Ein System in das ich mich auch gedanklich erst einmal einfinden muss – und zu dem ich meine eigene Haltung finden möchte.

Ich dachte immer: Auf dem was ich gemacht habe, an Praktika, Jobs und Projekten kann ich etwas aufbauen. Jetzt merke: Es geht nicht weiter – es geht von vorne los. Wieder stehe ich ganz am Anfang, ganz unten auf der Leiter. Und diesmal bin ich fremdbestimmter als je zuvor. Denn andere entscheiden, wie es weitergeht und was ich machen kann und was nicht. In einem Bewerbungsgespräch bleiben die bleiben die Plätze 2-10 unsichtbar. Nur der erste Platz ist ein Sieg und eröffnet mir die Möglichkeiten, die die Stelle bietet.

Genug haben.

Gleichzeitig ist der Zusammenhang von Geld und Arbeit für mich total abstrakt. Ich habe auch während dem Studium gearbeitet, aber das zwischen dieser Tätigkeit und dem Geld auf meinem Konto ein Zusammenhang besteht, ist nie so ganz bei mir angekommen. Umso wichtiger ist mir der Sinn, die Selbstverwirklichung und die Herausforderung in der Arbeit. In den letzten Wochen hatte ich aber aus unterschiedlichen Gründen, das Gefühl ich muss dem Geld einen größeren Stellenwert in meinem Leben einräumen, als ich möchte. Mich mehr in ein System einfügen, in dem der Wert meiner Arbeit durch Zahlen auf meiner Lohnabrechnung bestimmt wird. In dem ich meine Energie, meine Zeit und mein Herzblut verkaufe und dafür nur Zahlen zurückbekomme.

Es ist gut, immer ein bisschen unter seinem finaziellen Niveau zu leben.

So, oder ähnlich hat es mein Patenonkel einmal gesagt. Ich glaube er hat recht. Wer weniger braucht, als er hat, hat immer etwas übrig. Das bringt Sicherheit und mehr Bewusstsein für das was ich wirklich brauche. Denn bei jeder Kaufentscheidung überlege ich mir zwei Mal, ob ich das wirklich brauche. Meine Wohnung steht nicht voll mit Dingen, die Ansprüche an mich stellen und bei Aktivitäten lege den Schwerpunkt auf die Erlebnisse und Beziehungen die tiefe persönliche Begegnungen ermöglichen. Oft liegt in der Einfachheit eine große Schönheit und ein Picknick am Kanal bringt mir mehr Glücksmomente als ein Abend auf dem Rummel. Das alles ist für mich gelebter Minimalismus. Genug haben. Wieviel „genug“ ist und was man „wirklich braucht“, ist dabei natürlich nicht an eine Zahl gebunden 😉

Freiheit durch Selbstreflexion

Einen Job zu suchen, wenn Geld keine Motivation ist zu arbeiten, ist eine etwas verrückte Angelegeneheit. Denn recht schnell komme ich dabei zu der Frage: Was brauche ich den wirklich? Um das Gefühl zu behalten, selbstbestimmt meine Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung für mein Leben nicht in die Hände von Personalern zu legen, hinterfrage ich mich und den gesellschaftlich vorgezeichneten Weg. Hab ich noch andere Möglichkeiten, die ich übersehen habe? Oder ergeben sich neue, wenn ich meine Perspektive ändere? Welche Alternativen Wege will ich nicht unversucht lassen?

Das Ergebnis ist, wie so oft, ein Kompromiss. Er stellt mich nicht zufrieden, er macht mich nicht glücklich und lässt mich eher neue Ziele anvisieren, als Alte für erreicht erklären. Es geht eben immer immer wieder von vorne los. Aber jetzt ist es wieder mein Spiel und meine freie Entscheidung. Denn:

Geld ist nicht die Hauptsache. […]

Aber die wichtigste Nebensache.

Erich Kästner in „Der kleine Man und die kleine Miss“

2 Kommentare zu „Geld ist nicht die Hauptsache…

    1. Hallo Wolkenbeobachterin,
      Da hast du sicher Recht, das war in diesem Fall einfach nicht teil der Überlegungen, läuft aber natürlich paralell. Ich habe verschiedene Kulturwissenschafften studiert und kann mir relativ viel vorstellen. Allerdings ist das auch mit ein Problem: Nach einer Reihe von Absagen und anderen Schwierigkeiten fällt es mir schwer an den gesetzten Zielen festzuhalten. Aber keine Sorge, der Optimismus hat mich noch nicht grundsätzlich verlassen 😉
      Gruß, Marita

      Gefällt 1 Person

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