Ciao Roma!

Das wars. Drei Monate Rom sind rum. Am Anfang habe ich mich fremd gefühlt, bin dann immer mehr angekommen. Habe die Unterschiede wahrgenommen, hingehört und hineingefühlt. Rom hat sich verändert, von einer Schnee– wolkenverhangenen historischen Großstadt in ein Dorf mit Charme und frühlingshaften Temperaturen. Ich hatte hier so viele gute Erlebnisse und so viele bereichernde Erfahrungen! Es gibt einiges, was ich vermissen werden…

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Kaffee trinken – eine Kulturtechnik

Wer kennt es nicht: Die Oma hat Geburtstag, pünktlich um 16.00 findet sich die Familie ein. Der Tisch ist festlich gedeckt mit dem besten Geschirr, in der Mitte die Geburtstagstorte und daneben – die Kaffeekanne mit Omas bestem Filterkaffee. Dieses Bild kommt mir in den Kopf, wenn ich versuche die Begriffe „Kaffee“ und „Tradition in Deutschland“ gedanklich mit einander zu verbinden. Natürlich geht das Ganze auch ohne Geburtstag und sogar ohne Oma, stattdessen mit der besten Freundin / dem besten Freund, aber halt gemeinsam mit netten, bekannten Menschen, gemütlich und am besten mit einem Stück Kuchen. Und dem Filterkaffee.

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Auf der Piazza del Popolo

Die Piazza del Popolo ist „meine“ Piazza. Nur einen Steinwurf von der Casa di Goethe entfernt laufe ich fast jeden Tag mehrfach über das Kopfsteinpflaster, rechts oder links am Obelisken vorbei. Kaum ein anderer Ort gehört so sehr zu meinem Alltag in Rom. Mit den ersten Sonnenstrahlen saß ich auf den Stufen zwischen den Löwenbrunnen und je wärmer es wurde, desto mehr erwachte das Leben auf dem Platz. Hier habe ich das chinesische Neujahrsfest erlebt, die Demonstrationen und Kundgebungen von Linken und Rechten vor der Wahl. Und einmal einen ganzen Trupp Schotten, mit zwei Dudelsäcken, der plötzlich mit einem Metal-Gitaristen gemeinsame Sache machte. 😀 Die Piazza ist zu meinem Wohnzimmer geworden, zum Konzersaal, zum Kino. Höchste Zeit für eine verschwommene Momentaufnahme.

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Ein Streifzug durch EUR

Dieser Artikel wurde am 18.04.2018 aktualisiert und um die Links unten erweitert. Näheres dazu in den Kommentaren.

Wie fotografiert man die Architektur des Faschismus? Diese Frage drängte sich mir gerad zu auf, als ich vor einer Weile einen Streifzug durch das römische Viertel EUR unternommen habe. EUR liegt im Süden von Rom und verbindet das historische Zentrum mit dem Meer in Ostia. Das Stadtviertel wurde 1838 von Mussolini für die Weltausstellung 1942 erbaut. Der Name EUR oder eben eigentlich Esposizione Universale di Roma („Weltausstellung Rom“) deutet noch darauf hin. Da die Bauten nicht wie bei anderen Weltausstellungen danach wieder abgerissen werden sollten, wurden sie nicht nur mit einem hohen künstlerischen Anspruch, sondern auch aus hochwertigen und repräsentativen Materialien gebaut.

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Wenn einfach alles scheiße ist…

Wenn der erste Blick aus dem Fenster dir zeigt, dass es schon wieder regnet (wie die ganze letzte Woche…),

wenn du dich dann (nur noch 5 Minuten) noch mal rumdrehst und eine halbe Stunde später aufwachst und dich plötzlich beeilen musst…

wenn beim Frühstück plötzlich ein 4 jährigess Kind in der Küche sitzt (Besuch von meiner Mitbewohnerin, aber bitte: Kinder! morgens! vor dem Frühstück!!)…

wenn es auf dem Weg zur Metro merkst, dass die Pfützen ziemlich tief und deine neuen Schuhe nicht wasserdicht sind, und der Blick nicht weiter reicht, als die Scheuklappen der Kapuze zulassen,

… dann hat der Tag irgendwie scheiße angefangen…

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Schnee in Rom!

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Schon seit Tagen hielt sich das Gerücht: In den Nachrichten haben sie gesagt es soll schneien. In Rom! Ich konnt’s mir ja kaum vorstellen. Und irgendwie auch sonst keiner. Jaja, die sagen das immer und dann kaufen sie ganz viel Salz und die Schule fällt aus, kein Bus fährt, aber eigentlich fallen nur ein paar Flocken vom Himmel… Wirklich??

Ja wirklich. Als ich heute morgen aus dem Fenster schaue wirbeln dicke Flocken vorbei und die Welt ist weißer als bei uns an Weihnachten. Schnee auf den Palmen! Schnee auf den Orangenbäumen und Pinien! Die Schule fällt aus, die Uni auch, die Straßen sind leerer also sonst. Die Kollegen erzählen von eingefrohrenen Wasserleitungen und auf den Straßen sieht man Moon Boots. Irgendjemand will sogar von Skifahrern im Park der Villa Borghese gehört haben! Neve a Roma. Das hat es seit sechs Jahren nicht gegeben. Also auf zur Fotosafari!

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AusländerIn sein

Ich laufe durch einen italienischen Supermarkt und versuche mich zurecht zu finden. Mein Italienisch ist (hoffentlich noch!) recht mangelhaft aber bei den meisten Lebensmitteln sieht man ja was drin ist. 😉 Nachdenklich betrachte ich das Nudelregal. Die Auswahl ist recht groß, ganz besonders springen mir aber die großen blauen Pappverpackungen ins Auge, die ich schon in so vielen deutschen Küchenschränken gesehen habe. Das passende Pesto gibt’s auch. Aber als ich ins Regal greife kommt es mir irgendwie komisch vor: Die blauen Nudeln sind mir für Italien irgendwie zu deutsch.

Kurze Zeit später, zwei Regale weiter. Ich gebe ich die verzweifelte Suche nach Haferflocken vorerst auf und packe italienische Brötchen ein. Schnell stelle ich fest, das diese (zugegeben, Discounter Qualität) nicht länger als 12 Stunden genießbar sind und schon überlege ich, mein Brot vielleicht doch selbst zu backen. Was soll ich sonst frühstücken? Zu Hause backe ich schließlich auch selbst!

Warum sind mir die italienischen Nudeln plötzlich zu deutsch? Und zeige ich mir mit der Brotbackerei nicht  gleichzeitig „typisch deutsche“ Vorlieben? Was ist eigentlich typisch deutsch? Und was ist typisch italienisch?

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Stolpern über Historisches

Es ist einer meiner ersten Abende in Rom. Ich bin schon ganz voll von Erlebnissen und Eindrücken, neuen Stimmen, Gerüchen und Farben. Langsam wird es dunkel, in der Dämmerung scheint das Kopfsteinpflaster zu glänzen und die Straße kommt mir plötzlich uralt vor.

Ich biege um eine Ecke und plötzlich steht es da: das Pantheon. Einfach so. Mitten auf der Piazza. Die Kuppel verschwindet schon fast im dunklen Himmel. Mit der Ruhe eines Gebäudes, das seit fast 2000 Jahren am gleichen Fleck steht, strahlt es einen Hauch von Ewigkeit aus.

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Ankommen in der Hauptstadt der Welt

„Endlich kann ich den Mund auftun und meine Freunde mit Frohsinn begrüßen. Verziehen sei mir, dass Geheimnis und die gleichsam unterirdische Reise bis hierher. Kaum wagte ich mir selbst zu sagen, wohin ich ging, selbst unterwegs fürchtete ich noch, und nur unter der Porta del Popolo war ich mir gewiss, Rom zu haben. […] Ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt anglangt!“

J.W. Goethe: „Italienische Reise“, München 1981, S. 125. Erste Ausgabe: 1786.

So schreibt Goethe seinen Freunden, seiner Geliebten und seinem Chef, dem Herzog Carl August von Weimar, als er nach Wochen langer Reise endlich in Rom ankommt. Nach Italien zu reisen ist für ihn ein lang gehegter Traum und als er ihn in den Jahren 1786-1788 endlich verwirklichen kann, wirkt die Reise wie ein Befreiungsschlag, privat wie beruflich.

In Rom findet er eine neue Freiheit, er lebt inkognito in einer Künstler WG direkt an der Via del Corso nahe der Piazza del Popolo und findet neue Schaffenskraft: Iphigenie, Tasso und  Egmont schreibt er unterwegs zu Ende, wichtige Szenen aus Faust entstehen hier.

Aber dazu vielleicht später einmal mehr, denn…

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