Der Ausbruch des Sträflings

Ein innerer Monolog

Bild: Sharon Juni Leonie
Text: Pauline Menghini


War es ein Ausbruch oder ein Aufbruch? Er wusste es selbst nicht so genau, vielleicht beides. Was war der Unterschied? Und war er nun frei? Wohl kaum. Ausbrechen… hmmm einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehen – die Flügel strecken, der Windrichtung nachspüren und davonfliegen. Ausbrechen bedeutete für ihn vielleicht, sich von etwas zu lösen, aber wovon? Er konnte sich nicht ganz entsinnen. Beim Ausbruch ging es primär um das, was er zurückließ – das, wovon er sich befreite oder zu lösen versuchte. Der Aufbruch ließ auf das blicken, was morgen möglich wäre – ein nebeliges Ziel in der Ferne, wonach er streben könnte – der Traum, den es zu verwirklichen galt. Er wollte sich aufmachen ins Ungewisse, fühlte sich ziemlich verloren. Dort nannten sie ihn den Sträfling. Doch was hatte er verbrochen? Wofür sollte er bestraft werden? Vielleicht war es das Träumen… Ja, das mag es gewesen sein. In diesem Land war es anscheinend nicht gern gesehen. Aber was konnte er dafür, er konnte sich nicht zusammenreißen – die Träume kamen einfach. Die Strafe oder eher das Strafen – das mochten sie gerne! Das hatte er ziemlich schnell begriffen. Es schien so, als ob sie gar nicht genau wüssten, was sie damit bezwecken wollten. Es ging um das Strafen an sich… hmmm es gab einfach Vieles, was er nicht begriff und nie begreifen würde. Der Sträfling – damit wollten sie ihn abwerten. Doch die Streifen auf seiner Kleidung ließen ihn an eine Matrosenuniform denken. Die Freiheit der See, danach sehnte er sich. Wie die Möwe stundenlang über unendliche Weiten ziehen… Tropische Früchte mal am Baum statt in der Schale zu sehen – ja!


Pauline Menghini

Ich schreibe gerne, weil es mir ermöglicht den Kopf frei zu bekommen.
Kreativität bedeutet für mich in andere Welten eintauchen.
Ich bin 24 und wohne in Tübingen.