Memories

„Ich hatte kurz vorher meine Schuhe ausgezogen um die Füße etwas zu entspannen. Als wir mich dann ins Krankenhaus gebracht haben, habe ich sie ja gar nicht mehr angezogen. Irgendeiner hat sie mir mitgebracht und irgendwie hat sich einer der bunten Steinchen der Einfahrt darin verirrt. Ich fand das war wie Schicksal, wo wir doch bei Nickis Geburt einen geschenkt bekommen haben.“

Nathan dachte an die Geburt ihres zweites Kindes zurück und die Aufregung, die die unerwartet und vier Wochen zu früh eingesetzten Wehen ausgelöst hatten. Zum Glück war alles gut gegangen. Weder Mutter noch Baby hatten langfristige Schaden davon gezogen und schon nach einer Woche hatten sie Steffi mit nach Hause nehmen können.

„Und der hier?“

„Aus unserem ersten gemeinsamen Urlaub.“ Nathan nickte verstehend, sah die anderen prüfend an. Offensichtlich bemüht noch ein Ereignis zu erkennen.

„Der hier ist ein bisschen geschummelt“, erklärte Cara und deutete auf einen der bläulichen Steine. „Erinnerst du dich an unser fünftes Treffen?“ Nathans Grinsen bekam eine amüsierte Note. „Dass du das fragen musst“, tadelte er.

„Ich fühlte mich einfach so beflügelt als ich am nächsten Morgen bei dir losfuhr, dass ich irgend etwas haben wollte um mich immer an diesen Tag zu erinnern. Man könnte eigentlich sagen, dass diese Sammlung erst an diesem Tag so richtig ins Leben gerufen wurde, obwohl ich schon ein paar zu Hause hatte. Ich bin auf dem Rückweg am Steinbruch vorbei und habe nach einem Stein gesucht.“

„Bleiben noch drei“, zählte Nathan und griff nach dem roten spitzen Stein. „Ich hab das Gefühl den müsste ich auch kennen.“ Murmelte er. Sie lächelte. „Er hat einen sehr engen Bezug zum heutigen Tag. Rechne vielleicht mal so 25 Jahre zurück.“

Erkenntnis zuckte über sein Gesicht. „Der… du hast ihn aufbewahrt?“ Sie sah ihn zärtlich an. „Er war dafür verantwortlich dass du mich fast zehn Minuten und bis über die Türschwelle und ins Bett getragen hast. Natürlich behalte ich den.“

„Und die beiden hier?“

„Der hier lag auf diesem Grundstück, als wir hergekommen sind um es uns zum ersten Mal anzuschauen. Das war noch bevor wir uns entschieden haben hier zu bauen, aber ich hatte es irgendwie im Gefühl und habe ihn eingesteckt.“

Blieb noch ein letzter. „Der ist vom Tag, als du mir das erste mal gesagt hast, das du mich liebst. Das war…“ er setzte ein „als wir am ersten Weihnachten den abendlichen Spaziergang gemacht haben. Wo hast du da bitte einen Stein gefunden?“

Ihr Lachen war glockenhell und amüsiert. „Erinnerst du dich auch an die Mauer an der wir angehalten und wie die Teenager die wir waren rumgeknutscht haben?“

Nathan nickte und verstand.

„Ich dachte 25 Jahre verheiratet sind ein gute Zeitpunkt um zurück zu blicken. Und das hier sind nur elf der wichtigsten Momente. Ich hätte für jeden Tag einen Stein beiseite legen können.“

Nathan verstand die Liebeserklärung und beugte sich zu seiner Frau um ihr einen zärtlichen Kuss zu geben. „Danke. Für die hier“, er deutete zu den Steinen „und für alles.“


Jana Hecktor

ich bin 27 Jahre und wohne in Bochum