Memories

Dennoch, jetzt wo er einmal daran gedacht hatte, schien es eine sehr gute Idee und er beschloss noch schnell an dem Café am Rand der Stadt vorbeizufahren, das ohnehin auf dem Weg lag. Ob er nun eine halbe Stunde früher oder später wieder zu Hause ankommen würde wäre ohnehin nicht wichtig.

Das Café war gut besucht und mit Glück erwischte er noch einen freien Tisch in der Ecke. Es dauerte eine Weile bis jemand zu ihm kam und so schweifte sein Blick etwas umher. Zunächst über die Deko des Tisches, die aus einem kleinen Glas mit grünen Steinen und einer weißen Kerze bestand, über die Betriebsamkeit des Cafés mit all seinen unterschiedlichen Gästen. Da waren junge Leute mit aufgeklapptem Laptop – vielleicht Studenten oder jemand aus der kreativen Branche – neben einem alten Pärchen, sicherlich Rentner. Gerade als sein Blick von der kleinen Familie nebenan weg schwenkte trat jemand zu ihm an de Tisch.

„Was darf ich…“ Sie unterbrach sich mitten im Satz und er fuhr zu ihr herum. Ein Blick bestätigte den ersten Verdacht, Cara stand vor ihm. Er lächelte breit. Sie erwiderte die Geste und fuhr sich dabei durch die langen braunen Haare.

Einen Moment sahen sie sich verlegen an, dann sprachen beide zeitgleich.

„Wie gehts dir?“ Vermischte sich mit „Was treibt dich denn hier her?“

Beide mussten laut lachen und augenblicklich lockerte sich die Stimmung. Nathan war der erste der wieder sprach. „Ich hab Tante und Onkel besucht. Die sind vor Jahren schon zurück in die Stadt gezogen, daher versuche ich so oft es geht vorbei zu fahren, wenn ich denn mal hier bin. Leider trinken die beiden keinen Kaffee. Daher…“ er zuckte mit den Schultern und grinste schief.

„Wie geht dass denn?“, fragte sie ehrlich überrascht. „Ich kenne niemanden der keinen Kaffee trinkt.“, erklärte sie dann und fuhr, vielleicht auch einfach laut weiter denkend fort „Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich noch Student bin? Da braucht man einfach Kaffee.“

„Lass dir gesagt sein, auch auf dem Land erfreut sich Kaffee großer Beliebtheit. Was studierst du denn, wenn ich fragen darf?“

Sie kam mit ihren Gedanken zurück zu ihm. Zögerlich biss sie sich auf die Lippe, sah kurz auf die Uhr und erklärte dann „Gib mir fünf Minuten, dann könnte ich Pause machen und wir können uns ein bisschen unterhalten? Ich möchte nämlich auf jeden Fall wissen ob es inzwischen Alpaka Babys gibt und vor allem ob du Fotos hast!“

Nathan nickte mit einem Funkeln in den Augen. „Gerne. Ich geh nicht weg.“

Als er schließlich eine Dreiviertel Stunde später das Café verließ, war er um zwei getrunkene Kaffee wacher, um viele Informationen über Cara sowie um eine neue Handynummer reicher. Leise summend lief er zurück zum Auto und überlegte dabei bereits, ob es zu früh wäre jetzt schon die erste Nachricht zu verschicken.


Schon eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Zeitpunkt stand Nathan unten an der Straße die hoch zum Hof führte und bei jedem Motorengeräusch reckte er den Kopf und hoffte auf das kleine rote Auto. Als es dann endlich die Straße entlang kam stieg die Nervosität, aber zugleich auch die Vorfreude in ihm hoch.

Sie parkte neben dem gusseisernen Tor. Ihr Kleid war hell mit dunkelgrünen Blumen und es stand ihr ausgezeichnet. Die langen Haare waren zu einem Zopf geflochten und ihre Augen funkelten als sie näher kam. Nur für eine Nanosekunde zögerten beide, dann umarmten sie sich kurz zur Begrüßung.

„Schön dass du hier bist“, murmelte Nathan und sie lächelte. „Verrätst du mir dann jetzt was wir vorhaben?“, fragte sie neugierig, doch Nathan schüttelte den Kopf.

„Dann ist die Überraschung ja futsch.“

Sie verschränkte spielerisch die Arme vor der Brust. „Und wenn ich es doch so gerne wissen will?“ Er schüttelte lachend erneut den Kopf. „Es ist nicht weit, keine Sorge.“