Memories

Nathan lachte. „Nur nicht mit der Schusseligkeit deines Dads.“ In seiner Stimme lag eine Mischung aus Wärme und Tadel. Er mochte Caras Vater sehr gerne. Aber dieser hatte das Talent sich zu vieles gleichzeitig vorzunehmen und dann schon mal Dinge durcheinander zu bringen. Wie jetzt auch. Sie standen in ihrer ab heute gemieteten Wohnung und hatten auch bereits einige Kisten hergebracht.

Die meisten Möbel hatten sie von Caras Wohnung übernehmen wollen und dafür einen Transporter inklusive Möbelpacker bestellt. Ein Geschenk seitens Caras Vater das sie nicht hatten ablehnen dürfen.

„Und jetzt?“, fragte sie. Nathan löste sich ein Stück von ihr um ihr ins Gesicht zu sehen. „Wir könnten zu meinen Eltern oder doch noch mal zu dir und auf der Matratze schlafen?“

Sie schüttelte den Kopf. Dann kaute sie auf ihrer Unterlippe und Nathan ließ sie nachdenken. „Hast du dein Camping Zeug schon hier?“, fragte sie schließlich. Nathan sah sich suchend um, dann nickte er, als er den Karton hinten in der Ecke erkannte.

„Wir könnten die Luftmatratzen aufpumpen?“, schlug sie schließlich vor. „Im Bad und der Küche haben wir ja eh alles notwendige und irgendwo finden wir sicherlich auch Taschenlampen oder so um uns in Wohn- und Schlafzimmer zu bewegen.“

Nathan nickte. Er mochte die Idee. So hatten sie beide sich die erste Nacht in der gemeinsamen Wohnung zwar nicht vorgestellt, aber manchmal musste man die Dinge nehmen wie sie kamen.

Sie bauten sich ihr provisorisches Nachtlager mit den letzten Sonnenstrahlen.

Den Morgen hatten sie damit verbracht die letzten Möbel gemeinsam mit Freunden auseinander zu bauen. Als dann gegen Mittag die Möbelpacker hatten kommen sollen und sie nach einer halben Stunde Verspätung mal vorsichtig anriefen, hatte dies eine Verkettung missverständlicher Telefonate ausgelöst, bis sich herausstellte, dass ihre Buchung nicht fälschlicherweise im System gelöscht worden waren, sondern Caras Vater ihnen die Firma einfach für den nächsten Tag organisiert hatte.

Sie hatten beschlossen wenigstens schon mal ein paar der Kartons in die Wohnung zu fahren und waren gegen Nachmittag angekommen, um auszuladen.

„Was hast du denn hier alles drin?“, fragte Cara aus dem Nebenzimmer, nur kurz nachdem sie losgegangen war um die Campinglampe zu suchen, an die sich Nathan noch erinnerte.

Neugierig lief er zu ihr herüber und fand sie über einen Karton gebeugt. Es dauerte einen Moment, dann erkannte Nathan was Cara da ausgegraben hatte. „Das muss meine Mutter dazu gepackt haben“, sprach er seinen ersten Gedanken laut aus.

„Und was ist das?“, fragte Cara und hielt grinsend einen mit Nudeln beklebten Bilderrahmen, dann eine unförmige und bunt beklebte Masse sowie einen kleinen Pokal nach oben.

„Meine Mitbringsel aus dem Ferienlage in dem ich als Junge einige Jahre lange den Sommer verbracht habe“, erklärte Nathan und kramte ebenfalls durch die Erinnerungen. Seine Finger blieben über einem großen roten Stein schweben.

„Ich bin sicher da schlummern einige interessante Geschichten“, vermutete Cara und schnappte sich den Karton um ihn herüber zu ihrem Schlaflager zu tragen. Nathan hatte sich so gerade noch den roten Stein schnappen können und rollte ihn in seiner Hand hin und her.

Er war ein Geschenk gewesen. Ein Geschenk, dass eine Welle an Emotionen in ihm hochsteigen ließ. Cara schien bemerkt zu haben, dass ihn etwas beschäftigte, denn sie trat zu ihm und legte eine Hand auf seinen Arm und sah aus mitfühlenden Augen zu ihm hoch.

„Anscheinend nicht nur schöne Erinnerungen“, fragte sie leise. Nathan nickt, dann schüttelte er den Kopf und seufzte. Cara lenkte ihn ins Schlafzimmer und zog ihn dort einmal in ihre Arme.

„Du kannst mir alles erzählen“, flüsterte sie ihm zu und Nathan begann stockend zu erzählen, von Ken, einem Freund aus dem Sommercamp. Ken, der urplötzlich Leukämie bekommen und innerhalb eines halben Jahres den Kampf verloren hatte. Ken, der der Grund war, warum er nicht wieder in das Sommercamp hatte fahren wollen. Aber auch Ken, der ihm das Stein Flippen über einen See mit Engelsgeduld beigebracht hatte.