Memories

Nathan war mehr als untalentiert gewesen und um ihn aufzuziehen hatte Ken sich immer kompliziertere Steine raus gesucht, bis er nach einem runden, rauen Exemplar gegriffen hatte. Obwohl nicht sonderlich elegant hatte er doch drei vier mal auf der glatten Wasseroberfläche aufgeschlagen und war schließlich auf dem Kopf des just in dem Moment aus dem Wasser auftauchenden Betreuers gelandet.

Die beiden Jungs hatten am Boden gelegen vor Lachen. Auch noch als der ältere Mann zu ihnen herüber gekommen war und ihnen den Stein mit einem schmunzelnden „Ich glaube der gehört euch.“ zuwarf.

„Ken hat ihn hochgehoben und mir in die Hand gedrückt. Damit du nie aufhörst zu üben, hat er gesagt.“

Tränen standen in Nathans Augen als er erzählte, gleichzeitig lag ein wehmütiges Lächeln auf seinen Lippen. Cara hatte ihm stumm zugehört und nur immer wieder beruhigend über seinen Arm gestreichelt.

Als er schließlich endete drückte sie ihm einen Kuss auf die Schulter und Nathan war fast ein bisschen froh, dass sie in der leeren Wohnung saßen. Ansonsten wäre diese Kiste vielleicht nach einem kurzen Blick erst einmal in den Keller gewandert und wer weiß ob er diese Erinnerung sobald wieder an die Oberfläche gekramt hätte.

Es tat immer noch weh an den Freund zu denken, aber jetzt, wo er es mit Cara geteilt hatte, war deutlich mehr Melancholie und Gedanken an die schönen gemeinsamen Erinnerungen dabei, als noch zuvor.

„Danke!“, murmelte er schließlich und Cara lächelte sanft.


„Willst du mich heiraten?“

Als diese Worte auf einmal seinen Mund verließen war er beinahe so überrascht wie Cara, die ihn nun aus ihren weit aufgerissenen Augen ansah. Er hatte nicht geplant ihr hier und heute einen Antrag zu machen.

Nicht, dass er nicht schon mal drüber nachgedacht hatte, aber wenn, wäre er zuvor zu einem Juwelier, hätte sich von Caras bester Freundin Ringgröße und stilistische Beratung abgeholt und den perfekten Abend drum herum geplant.

Nun war nichts davon zuvor geschehen. Stattdessen standen sie am Rande eines großen Feldes, nicht weit von dem Bauernhof seiner Eltern entfernt. In ihrer Nähe prasselte das große Osterfeuer und der Rauch und Qualm hatte sich bestimmt längst in ihrer Kleidung fest gesetzt. Lichterschatten tanzten über Caras Gesichtszüge, die bis vor wenigen Minuten noch vor Wut verzerrt gewesen waren.

Es hatte ganz harmlos angefangen. Sie waren gemeinsam zu dem alljährlichen Osterfeuer gefahren, hatten alte Freunde von Nathan wiedergetroffen, von denen Cara inzwischen die meisten kannte und einen schönen Abend verbracht. BIs Kevin aufgetaucht war. Mit ihm hatte Nathan schon zu Schulzeiten ab und an Stress gehabt und auch heute Abend hatte er es nicht lassen können ab und an in seine Richtung zu zeigen und offensichtlich und ohne es zu verbergen über ihn zu lästern.

Nathan hatte nur mit den Schultern gezuckt. Er gab nicht viel auf das Gerede von Kevin und seinen paar Jungs. Kevin war direkt nach dem Abi ins Ausland gegangen um Wirtschaft zu studieren und seitdem kein einziges Mal wieder da gewesen, zu den wenigsten aus der Gegend hatte er noch Kontakt und die meisten konnten ihn und seine hochnäsige Art ohnehin nicht leiden.

Cara war noch nicht abgestumpft und hatte immer mal wieder einen bösen Blick zu dem hochgewachsenen Jungen herüber geworfen. Als der schließlich herüber gestapft kam und etwas a la „War ja klar dass du immer noch hier rum hängst, ohne Bildung kommt man hier halt nicht raus“ hatte Nathan nur ein „geh einfach wieder, interessiert eh keinen was du zu sagen hast“ murmeln wollen, doch Cara war ihm ins Wort gefallen.

Mit ihren ganzen 1,70 hatte sie sich vor dem anderen aufgebaut, die Hände in die Hüften gestemmt und ihm eine Standpredigt gehalten, die sich gewaschen hatte, bei der sie mehrfach betonte wie toll ihr Freund war und dass sich jeder eine Scheibe von ihm abschneiden konnte.