Memories

Nathan hatte mit offenem Mund zugeschaut und nicht mal mehr mitbekommen, dass Kevin mit einem wenig überzeugendem Kommentar von dannen gezogen war. Cara hatte seine Aufmerksamkeit vollkommen auf sich gezogen. Und wie sie so da stand, von dem Feuer beleuchtet und mit diesem übrig gebliebenen Funkeln in den Augen, war sie das Schönste, was er je gesehen hatte.

Die Worte waren einfach über seine Lippen gerutscht und nun starrten sie sich beide für eine Sekunde perplex an, dann zuckten ihre Mundwinkel nach oben und wurden schließlich zu einem breiten Grinsen als sie nickte.

Nathan realisierte die Bedeutung dieses Nicken erst verzögert, doch dann strahlte auch er und zog sie zu einem Kuss an sich.

Als sie sich wieder lösten hatten die Freunde die direkt bei ihnen standen angefangen zu klatschen und peinlich berührt starrten Nathan und Cara in die Runde.

Sein bester Freund stupste ihn an und hielt ihm sein Armband hin. Es war aus dünnem, blauen Garn und ein kleiner roter Stein war die einzige Verzierung. Er brauchte nicht zu erklären was er meinte. Nathan nahm das Geschenk und griff sanft nach der Hand seiner Freundin. Dann wickelte er das Armband ein paar mal zusammen und steckte es ihr schließlich so über den Ringfinger, dass der Ring wie bei einem Edelstein oben auflag.

Es passte überraschend gut und zauberte Cara ein entzücktes Lächeln ins Gesicht.

„Besser als jeder Verlobungsring“, erklärte sie und zeigte den improvisierten Ring direkt den anderen, während sein bester Kumpel ihm nur zu zwinkerte.


„Vielen Dank, dass ihr da wart!“

Müde aber mit einem ehrlichen Lächeln drückte Cara ihr beste Freundin und deren Begleitung einmal an sich. Die beiden waren die letzten und hatten noch geholfen etwas aufzuräumen. Inzwischen war es allerdings halb sechs und es war ein langer, atemberaubend schöner Tag gewesen, an dem sie von einer Emotion zur nächsten gerast waren und die nun eintretende Stille für einen Moment genossen.

Es gab noch einige wenige Handgriffe, dann würden auch sie die zehn Minuten nach Hause laufen und ins Bett gehen können.

„Ich kann nicht glauben, dass der Tag vorbei ist“, sagte Cara nachdenklich. „Das ging viel zu schnell.“ Nathan lachte leise. „Es ist einfach viel passiert. Solche Tage neigen dazu im Rückblick einfach so an einem vorbei gezogen zu sein.“

Cara schien den Tag noch einmal zu durchleben, denn sie grinste auf einmal. „Als Tante Emma und Onkel Richard dieses kleine Stück aufgeführt haben…“ sie lachte. „Daran werde ich noch in sechzig Jahren denken müssen.

Nathan hatte begonnen die Lichter auszuschalten, sodass nur noch der große Kronleuchter an der Decke leuchtete, dessen Schalter direkt neben dem Ausgang an der Wand war.

Während er nun zu der Musikanlage ging ergänzte er „Oder dieses Video von Tim und den anderen. Das müssen wir uns morgen auf jeden Fall noch mal in Ruhe anschauen.“

Cara hatte sich an einen der Tische gesetzt und war dabei ihre Schuhe auszuziehen. Da kam Nathan ein Gedanke. Statt die Anlage sofort auszuschalten tippte er kurz auf dem Laptop und schon erklangen sanfte Klaviertöne aus den Lautsprechern.

Caras Blick war sofort hochgeschnellt. Nathan kam zu ihr herüber, machte eine formvollendete Verbeugung und hielt ihr dann die Hand hin. „Darf ich bitten?“, fragte er.

Ohne zu Zögern legte sie den rechten Schuh, den sie noch in der Hand hielt neben sich ab und ließ sich von Nathan hochziehen.