Memories

In einer engen Umarmung wiegten sie sich einige Takte hin und her, ehe die Musik schneller wurde. Nathan warf ihr einen kurzen Blick zu und ohne Worte wusste er, was sie sagen würde und so begann er sie herauszudrehen. Sie folgte den einstudierten Bewegungen, die sie vor knapp zehn Stunden schon einmal getanzt hatten. Da vor einem großen Publikum an Familie und Freunden. Nun nur für sie beide und in dem nur dämmrig beleuchteten Raum.

Nathan hätte nicht sagen können welcher der beiden Momente schöner gewesen war, aber als Cara schließlich zu den ausklingenden Takten wieder in seinen Armen lag dachte er, wie glücklich er sich schätzen konnte, dass diese wunderbare Frau ihn zum Mann genommen hatte.

Als es nun wieder still wurde löste er sich langsam von ihr, gab ihr einen sanften Kuss und lief dann herüber zur Anlage um auch sie endlich auszuschalten.

Cara, die ihre Schuhe geholt hatte hakte sich nun bei ihm unter und gemeinsam löschten sie das Licht und traten vor die Tür. Nathan schloss ab und Arm und Arm liefen sie die Straße entlang zu ihrer Wohnung. Die Sonne hatte den Himmel längst rot gefärbt.

„Au“, Caras leiser Scherzschrei durchschnitt die Stille und fluchend hüpfte sie auf einem Bein. „Wo kommt der denn her?“, fragte sie nach einigen Sekunden und bückte sich nach dem spitzen roten Stein zu ihren Füßen.

Nathan schwankte zwischen einem Lachen und Fürsorge. „Tut es sehr weh?“, fragte er leise und begutachtete erst den tatsächlich spitzen Stein und dann Caras Fuß, der noch nicht wieder ganz belastet wurde und kurz überm Boden schwebte.

Ohne länger drüber nachzudenken schnappe er sich kurzerhand seine Frau und hob sie auf seine Arme. „Heißt es nicht ohnehin man soll seine Braut über die Schwelle tragen?“, fragte er.

Cara grinste. „Über die Schwelle, aber nicht den ganzen Weg von der Hochzeitslocation bis zur Schwelle…“, sie kicherte. „Soll ich dich wieder absetzen?“, fragte er, meinte es aber nicht ernst. Und sie schüttelte auch direkt den Kopf, presste sich dichter an ihn und legte schließlich ihr Gesicht an seine Halsbeuge.

„Ich liebe dich“, flüsterte sie ihm zu.

„Ich liebe dich auch!“


Es war einer der ersten warmen Frühlingstage und sie hatten beschlossen die Terrassen Saison einzuläuten. Cara hatte bereits am Morgen einen Kuchen in den Ofen geschoben, obwohl Nathan ihr versichert hatte dies sei nicht notwendig.

Sie hatte aber darauf bestanden ihm einen Zupfkuchen zu backen, nach dem Rezept seiner Mutter, den er am liebsten aß. „Du hast ja auch Blumen für mich besorgt“, hatte sie argumentiert und dabei ihr Gesicht kurz in dem Strauß Vergissmeinnicht versenkt.

Nathan hätte ihr sagen können, dass das was anderes war. Dass er die Blumen bereits am Tag zuvor gekauft hatte. Dass die Halskette, die noch nebenan wartete, ebenfalls bereits vor Tagen beim Juwelier abgeholt worden war und das Frühstück am Bett nicht viel mehr Aufwand gemacht hatte, als an jedem anderen Sonntag.

Aber er wusste, sie würde ihm entgegnen, dass heute eben nicht jeder andere Sonntag war. Er lächelte und verkniff sich einen Kommentar.

Stattdessen setzte er sich in seinen Sessel und öffnete die Zeitung. Keine Stunde später zog der Duft nach Kuchen durchs Haus und ihm lief das Wasser im Mund zusammen. „Du musst dich aber bis heute Nachmittag gedulden“, rief Cara ihm zu, als hätte sie seine Gedanken erraten. Vielleicht kannte sie ihn inzwischen nach all den Jahren auch einfach nur zu gut.