Spuren aus der Vergangenheit

Bild: Marita
Text: Meike Rieckmann-Berkenbrock


Ich sehe ein Ornament. Ein versteinertes Ornament, das aus früheren Zeiten erzählt. Diese Windungen malen eine Epoche aus, in der die Welt eine andere war. Diese fossilen Überreste hatten eine harte Schale. Aber hatten sie auch einen weichen Kern? Einen biegsamen Körper? Wenn sich diese Kopffüßer entrollen würden, was könnten sie uns dann wohl berichten?

Die Bücher, die mich umgeben, erzählen auch aus einer anderen Welt. Sie haben einen harten Umschlag und manche von ihnen sind verziert mit den schönsten Ornamenten. Ihr kostbarer Inhalt ist verborgen durch den Einband. Ich schlage sie auf und mache mich daran, das Innere zu entfalten, auszurollen. Ich erkenne sofort, wie süß die Innereien sind. Süß und nahrhaft zugleich. Sollen die Bücher aus einer anderen Zeit, aus einem anderen Leben berichten, entfaltet man sein Buch in aller Ruhe, breitet es vor sich aus und erkennt – ausgerollt, wie sich die Worte nun darbieten – vielleicht einen umstürzenden Inhalt. Worte haben Macht. Wenn sie sich zusammenziehen und nicht verständlich sind, muss man sie auseinanderziehen, um an das süße Innere zu kommen. Alle Windungen können nun so lange geglättet werden, bis sie ihre Spuren aus der Vergangenheit preisgeben.


Meike Rieckmann-Berkenbrock

Ich schreibe gern, weil Worte und Buchstaben für mich lebendig sind. Ich betrete durch sie andere, neue Welten und kann die Freiheit auf der Nase, unter meinen Füßen, in all meinen Gliedern fühlen.

Kreativität bedeutet für mich Ausgelassenheit.

Ich bin 44 Jahre alt und wohne seit 2016 in Dortmund. Aufgewachsen bin ich in Hamburg und mag, dass ich nach der Hansestadt Hamburg wieder in einer Hansestadt leben kann. Hier gibt es Ausgelassenheit und Verlässlichkeit zugleich.